https://www.faz.net/-gqe-97nt2

Lohndumping-Kommentar : Purer Protektionismus

  • -Aktualisiert am

Vom ersten Tag an haben vorübergehend entsandte Arbeiter künftig Anspruch auf denselben Lohn wie einheimische Arbeiter. Die EU-Kommission verkauft das als Schritt in ein soziales Europa. Das Gegenteil ist der Fall.

          1 Min.

          Die EU dürfe die Gräben zwischen Ost und West nicht vertiefen, warnte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, als Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Gipfel die Verknüpfung von Strukturhilfen mit der Aufnahme von Flüchtlingen verband. Wenige Tage später vertieft die Kommission selbst die Kluft.

          Die Einigung von Unterhändlern der Kommission, Parlament und Ministerrat zur Entsenderichtlinie hat nur ein Ziel: den Graben so zu vergrößern, dass es die lästige Konkurrenz aus Polen oder Tschechien nicht mehr nach Frankreich oder Deutschland schafft. Vom ersten Tag an haben vorübergehend entsandte Arbeiter künftig Anspruch auf denselben Lohn wie einheimische Arbeiter.

          Die Juncker-Kommission verkauft das als Schritt in ein soziales Europa. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn osteuropäische Betriebe den von ihnen entsandten Arbeitern westeuropäische Löhne zahlen müssen, verlieren sie einen wichtigen Wettbewerbsvorteil. In vielen Fällen erhalten die Arbeiter dann keine westeuropäischen Löhne, sondern gar keinen Lohn mehr. „Sozial“ ist das nur für die Hochlohn-Arbeiter im Westen. Das ist kein Schritt in ein soziales Europa, sondern purer Protektionismus.

          Hendrik Kafsack
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Weitere Themen

          Bahn und GDL einigen sich

          Tarifstreit gelöst : Bahn und GDL einigen sich

          Nach drei Streikwellen haben sich beide Parteien im Tarifstreit geeinigt. Geholfen haben dabei zwei Ministerpräsidenten. So sieht die Einigung konkret aus.

          SpaceX bringt erstmals Touristen ins All Video-Seite öffnen

          „Inspiration 4“ : SpaceX bringt erstmals Touristen ins All

          Die Mission „Inspiration 4“ hob an einer Trägerrakete des Typs Falcon mit dem milliardenschweren Gründer und Geschäftsführer des Finanzdienstleisters Shift4 Payments, Jared Isaacman, sowie drei Begleiter vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ab, wie der SpaceX-Webcast zeigte.

          Protest vor VW-Prozess

          Ohne Ex-Chef Winterkorn : Protest vor VW-Prozess

          Die Staatsanwälte wehren sich mit einer Beschwerde gegen die Abtrennung des Verfahrens gegen den früheren VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Der Prozess geht nun erstmal ohne ihn los.

          Topmeldungen

          Reiner Haseloff

          Sachsen-Anhalt : Haseloff fällt im ersten Wahlgang durch

          Bei der Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt ist Reiner Haseloff im ersten Wahlgang gescheitert. Der bisherige Amtsinhaber erhielt nur 48 Ja-Stimmen im Magdeburger Landtag – acht Abgeordnete der neuen Koalition stimmten offenbar gegen ihn.
          ICE verlässt den Bahnhof Altona

          Tarifstreit gelöst : Bahn und GDL einigen sich

          Nach drei Streikwellen haben sich beide Parteien im Tarifstreit geeinigt. Geholfen haben dabei zwei Ministerpräsidenten. So sieht die Einigung konkret aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.