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Kommentar : Postfaktisches Gift

  • -Aktualisiert am

Postfaktisch: Das klingt erst mal lustig. Doch hinter dem Begriff steckt eine intolerante, ja demagogische Absicht. Was stellt das mit der demokratischen Kultur an?

          Wer gedacht hatte, der Modebegriff „postfaktisch“ sei von kurzer Lebensdauer, wird in diesen Tagen eines Besseren belehrt. Seitdem die Oxford University Press „post-truth“ Mitte des Monats zum „Wort des Jahres“ gekürt hat, kennen neue und alte Medien kein Halten mehr.

          Vor allem Donald-Trump-Wähler, AfD-Sympathisanten und andere Menschen rechts der Mitte dürfen sich anhören, sie befänden sich in einer Art intellektuellem Dämmerzustand, in dem sie Fakten kaum noch oder gar nicht mehr erreichen. Selbst von postfaktischen Finanzmärkten war schon die Rede - als die Börsen auf das amerikanische Wahlergebnis nicht, wie erwartet, mit einem Absturz reagierten.

          Postfaktisch: Das klingt erst mal lustig. Doch hinter dem Begriff steckt eine intolerante, ja demagogische Absicht: Wer einmal öffentlich als irrational gebrandmarkt ist, den muss keiner mehr ernst nehmen. Ist der „Populist“ - um einen weiteren Kampfbegriff unserer Zeit zu nehmen - nach Ansicht seiner Kritiker immerhin noch absichtsvoll böse, ist der postfaktische Mensch nur noch absichtslos blöde. Das mag für die Ausschlusskomitees des Zeitgeists bequem sein. Für die demokratische Kultur ist diese Haltung Gift.

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