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Kommentar : Merkels Afrika-Gipfel

  • -Aktualisiert am

Die Ukraine-Krise und der ungewisse Verbleib Griechenlands in der Eurozone sind derzeit die dominanten Themen für die Staats- und Regierungschefs in Europa und Amerika. Doch der G-7-Gipfel trägt noch eine weitere Überschrift: Afrika.

          Es sind vor allem zwei Themen, die die Staats- und Regierungschefs in Europa und Amerika derzeit beschäftigen: die von Russland entfachte Krise in der Ukraine und der ungewisse Verbleib Griechenlands in der Eurozone. Da liegt es nur auf der Hand, dass diese Themen in der öffentlichen Wahrnehmung auch die Debatten auf dem Weltwirtschaftsgipfel dominieren. Dennoch trägt der zweite deutsche Gipfel unter der Präsidentschaft Angela Merkels eine zweite Überschrift: Die lautet Afrika.

          Zwar kommt der wahlweise als verloren oder chancenreich geltende Kontinent in der Programmliste von Garmisch-Partenkirchen gar nicht vor. Doch scheint er bei jedem Tagesordnungspunkt durch: Der Terror des „Islamischen Staates“ wütet auf dem schwarzen Kontinent, nirgends sind die Folgen von Tropenkrankheiten und Ebola so fürchterlich wie dort, und wenn die Industriestaaten einen Beitrag leisten wollen, die Zahl der Hungernden in der Welt weiter zu verringern, dann kommt auch das vor allem Afrika zugute.

          Weniger Hunger, bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen für Frauen, mehr Wirtschaftswachstum und Handel sollten nicht zuletzt auch fragile Staatsstrukturen kitten und weniger Menschen nach Europa fliehen lassen. Auch die Umweltpolitik spielt hier hinein, wegen der Folgen des Klimawandels auf die Lebensbedingungen von Millionen Menschen. Die eingeladenen Gäste spiegeln das denn auch wider. Fünf von sechs der Geladenen kommen aus Afrika: Tunesien, Nigeria, Äthiopien, Liberia, Senegal. Ägyptens umstrittenen Präsidenten Abd al Fattah al Sisi hatte Merkel unmittelbar vor dem Gipfel nach Berlin eingeladen, noch ein Beleg von kühler Realpolitik.

          Merkel will, dass die G7 einen größeren Beitrag leistet, in Form von Zusagen für eine verträglichere Politik und Geld für Anpassungsprojekte. Natürlich erhofft sie sich dafür Gegenleistungen, vielleicht eine kooperativere Haltung beim Klimagipfel. Das wäre nicht zu rügen. Löblich ist der Versuch, Afrika nicht zu vergessen, wenn in der Ukraine geschossen wird, China seine Territorialansprüche ausweitet und den Griechen das Geld ausgeht. Auch das gehört dazu, wenn die sieben alten Industriestaaten sich nicht nur als „Wertegemeinschaft“ marktwirtschaftlich geprägter Demokratien begreifen, sondern auch, um EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zu zitieren als „die Verantwortungsträger der Welt“.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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