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Kommentar : McKinseys Turbolader

„Nicht stolz“: McKinsey-Chef Kevin Sneader über die Rolle seines Unternehmens in der amerikanischen Opioid-Krise Bild: Reuters

Die Tragödie um das süchtig machende Schmerzmittel Oxycontin in Amerika holt jetzt auch die Unternehmensberater von McKinsey ein. Die Sache wirft ein düsteres Licht auf das Gebaren mancher Berater.

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          Die Tragödie um das süchtig machende Schmerzmittel Oxycontin in Amerika holt jetzt auch die Unternehmensberater von McKinsey ein. Fast 600 Millionen Dollar zahlt McKinsey außergerichtlich, um zivilrechtliche Klagen amerikanischer Bundesstaaten abzuwehren. McKinsey hatte jahrelang den Schmerzmittelhersteller Purdue Pharma bei der Vermarktung seines starken Schmerzmittels Oxycontin beraten und dabei offensichtlich jedes Maß für Anstand verloren. Die Suchtgefahren wurden von den Beratern und Marketingmanagern fast zynisch ausgeblendet.

          Mit dem jetzt erzielten Vergleich in Amerika ist juristisch kein Schuldeingeständnis verbunden. McKinsey hat sich Anfang Dezember zwar schon für das Verhalten seiner Berater entschuldigt; wie ernst es dem weltgrößten Strategieberater mit seiner Läuterung ist, muss McKinsey aber noch beweisen.

          Die ganze Episode wirft ein düsteres Schlaglicht auf die technokratische Skrupellosigkeit, mit der manch hochbezahlte Berater offensichtlich unterwegs waren. McKinsey verweist darauf, aus heutiger Sicht wäre das Verhalten der Berater ein Fehler gewesen. Aber die Berater haben sicher schon vor Jahren gewusst, welche Folgen die leichtfertige Verschreibung von Opioiden wie Oxycontin haben kann, wenn sie für vergleichsweise harmlose Rücken- oder Gelenkschmerzen eingesetzt werden statt für wirklich ernste Fälle, wofür sie eigentlich nur eingesetzt werden sollten.

          Oxycontin-Pillen des Schmerzmittelherstellers Purdue Pharma
          Oxycontin-Pillen des Schmerzmittelherstellers Purdue Pharma : Bild: AP

          In Folien der Berater für das Purdue-Management war laut einer Klageschrift davon die Rede, den „Turbolader“ bei der Vermarktung zu zünden. In typischem Beratersprech haben McKinsey-Berater demnach noch im Jahr 2013 einen Bericht mit dem sperrig klingenden Titel „Identifying Granular Growth Opportunities for Oxycontin“ erstellt – zu einem Zeitpunkt, zu dem die Gefahren längst bekannt waren. Denn Purdue hatte sich schon 2007 in einem Vergleich erstmals schuldig bekannt, das Suchtrisiko verharmlost zu haben.

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

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