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Pilotenstreik : Lufthansa als Geisel

  • -Aktualisiert am

Lufthansa-Piloten auf dem Frankfurter Flughafen Bild: Eilmes, Wolfgang

Die Lufthansa-Piloten streiken seit Mitternacht für drei Tage. Mehr als 400.000 Passagiere sind betroffen. Das ist so unverhältnismäßig, dass sich die Frage stellt, ob dabei nicht die Grenze zum Missbrauch überschritten wird.

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          Darf jede Minderheit die Mehrheit zur Geisel nehmen? Dürfen die Vorfeldlotsen, das Kabinenpersonal, Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten, die Fluglotsen oder die Piloten immer dann fast den kompletten Flugverkehr lahmlegen, wenn sie mehr Geld, eine höhere Betriebsrente, längere Pausen oder luxuriöse Frührenten haben möchten? Dasselbe böse Spiel haben die Lokführer wiederholt mit der Deutschen Bahn gespielt, auch hier auf Kosten der Kunden und ohne Rücksicht auf die Folgen für das Unternehmen und andere Mitarbeiter. Der Pilotenstreik der Lufthansa ist so unverhältnismäßig, dass sich die Frage stellt, ob die Tarifvertragsfreiheit noch zu Recht über allem steht und nicht irgendwann auch im Streikrecht die Grenze zum Missbrauch überschritten wird.

          Vor einem Monat hat ein Streik der Sicherheitskontrolleure den größten Flughafen Deutschlands lahmgelegt; erst eine Erhöhung des Stundenlohns um fast die Hälfte auf knapp 15 Euro konnte das Sicherheitspersonal wieder zur Arbeitsaufnahme bewegen. Jetzt bleiben die Flugzeuge der Lufthansa am Boden, weil die Piloten um ihre Privilegien bangen. Die Damen und Herren der Lüfte fordern zehn Prozent mehr Gehalt, obwohl erfahrene Flugkapitäne mehr als 300.000 Euro im Jahr verdienen.

          Wichtiger ist ihnen aber noch, dass die überaus üppige Übergangsversorgung der Frührente ab 55 Jahre nicht angetastet wird. Die Piloten wollen von der Lufthansa weiterhin ein Übergangsgeld in Höhe von bis zu 60 Prozent des letzten Bruttogehalts. Mit den Folgen der Alterung der Gesellschaft soll doch der Rest des Landes alleine kämpfen – und länger arbeiten.

          Natürlich tragen Piloten eine hohe Verantwortung. Aber das tun andere auch, die manchmal ebenfalls einen Großteil des Berufslebens auf Reisen oder in Hotels verbringen. Inzwischen steht die Lufthansa in einem Wettbewerb, der immer härter wird. Einerseits machen ihr die Billigflieger zu schaffen, die günstig auf subventionierten Regionalflughäfen starten und landen können. Andererseits setzen den traditionellen europäischen Fluggesellschaften die Airlines aus den Golfstaaten zu. Sie sollen im Auftrag der Scheichs Europa als Drehscheibe zwischen Amerika und Asien ablösen. Deutsche Politiker fördern sie hierbei sogar: mit Streckenrechten, um für mehr Verkehr auf den viel zu vielen Regionalflughäfen zu sorgen.

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