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Kommentar : Lieber Geld

  • -Aktualisiert am

Viel Inhalt bietet der Regierungsbericht „Gut Leben in Deutschland“ nicht. Doch gerade Wirtschaftswachstum steht offensichtlich viel höher im Kurs, als es die Politik wahrhaben will.

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          Was dem Bericht „Gut Leben in Deutschland“ an Inhalt fehlt, macht er auch durch Umfang und bunte Grafiken nicht wett. Auf mehr als 230 Seiten hat die Regierung Befunde ihrer 200 „Bürgerdialoge“ dokumentiert - üppig garniert mit eigenen Bemühungen um das Wohl des Volks. Zig Wünsche der nicht repräsentativ ausgewählten Bürger sind stichwortartig notiert und eher lose nebeneinandergestellt.

          Es wirkt, als hätten die Autoren den Auftrag gehabt, jede politische Aussage zu meiden, damit Union und SPD sich das rauspicken können, was ihrer Agenda entspricht. Eine überraschende Botschaft enthält der Bericht dann doch, man kam wohl nicht umhin: Der Bürger verdient gerne gut. Lebensqualität hängt für ihn, gleich nach dem Frieden zu Hause und in der Welt, ganz banal „von der Höhe der Bezahlung ab“.

          Erst danach sorgt er sich um Freiheit, Wohnraum oder Chancengleichheit. Das ist interessant, weil eine ganz große Koalition so tut, als seien die meisten Menschen hierzulande schon so wohlstandsgesättigt, dass es eigentlich genug sei. Wirtschaftswachstum steht offensichtlich viel höher im Kurs, als es die Politik wahrhaben will, denn ohne florierende Wirtschaft steigen die Einkommen nicht.

          „Gut leben in Deutschland“ : Bundeskanzlerin Merkel über den Regierungsbericht

           

          Heike Göbel
          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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