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Kommentar : Kriege und Legenden

Im Zentrum der Macht: Donald Trump mit seinem Vize-Präsidenten Mike Pence (links) und Ökonom Peter Navarro (rechts) Bild: AP

Mit Trump hat das Gerede über Währungskriege zugenommen. Dabei sind auf kaum einem Feld der Ökonomie gesicherte Erkenntnisse so dünn wie in der Analyse der Wechselkurse. So sprießen die Legenden.

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          Mit der neuen Administration in Washington hat das Gerede über sogenannte Währungskriege erheblich zugenommen. Gemeint ist der Vorwurf, andere Länder würden ihre Währungen künstlich abwerten, um sich Vorteile im Export zu verschaffen. Da es bei Währungen anders als beim Militär keine offiziellen Kriegserklärungen gibt, sind die Diagnosen nicht frei von Beliebigkeit.

          Der Europäischen Zentralbank wird vorgeworfen, ihr Anleihekaufprogramm sei in erster Linie beschlossen worden, um den Euro zu schwächen. Andererseits bleibt Großbritannien trotz der drastischen Abwertung des Pfundes der Vorwurf eines Währungskrieges erspart, auch wenn neben der Brexit-Entscheidung die Geldpolitik der Bank von England zur Schwäche der Währung beigetragen haben dürfte. Zu den schwächsten Währungen zählt derzeit auch die Lira, aber die Türkei steht ebenfalls nicht im Ruf, an einem Währungskrieg interessiert zu sein.

          Andererseits betrachtet Washington die Herren aus Peking als Schurken im Währungskrieg, obgleich die Chinesen in gut zwei Jahren Währungsreserven über sage und schreibe 1000 Milliarden Dollar verpulvert haben, um eine starke Abwertung ihrer Währung zu verhindern. Von faktenorientierter Geschichtsschreibung zu ideologisch motivierter Legendenbildung ist es nicht weit.

          Auf dem Humus des Unwissens sprießen die Legenden

          Unzureichende Expertise trägt hierzu bei. Auf wohl keinem anderen Gebiet der Wirtschaftslehre sind gesicherte Erkenntnisse so dünn gesät wie in der Analyse der Bestimmungsgründe von Wechselkursen und der Wirkung von Wechselkursänderungen auf die Wirtschaft. Als vor gut vier Jahrzehnten das auf festen Kursen basierende Währungssystem von Bretton Woods zusammen brach, sagten die Befürworter flexibler Wechselkurse voraus, diese würden sich anhand wirtschaftlicher Fundamentaldaten wie Inflation und Wirtschaftswachstum bilden.

          Tatsächlich sind die Schwankungen der Wechselkurse seitdem ungleich größer als erwartet und viele Untersuchungen dokumentieren das Scheitern monokausaler Erklärungsversuche. Auch sind die Wirkungen von Wechselkursänderungen auf Exporte, Importe, das Wirtschaftswachstum und die Inflationsrate weitaus weniger eindeutig als prognostiziert. Auf dem Humus des Unwissens sprießen die Legenden.

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