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Kommentar : Karriere vom Amt?

  • -Aktualisiert am

Die Bundesagentur für Arbeit testet die „lebensbegleitende Berufsberatung“ - und verkauft sie mit dem Argument, die Menschen müssten sich auf die Digitalisierung vorbereiten. Ein PR-Trick?

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          Die Arbeitsagentur hat dank sinkender Arbeitslosenzahlen weniger zu tun und fährt hohe Überschüsse ein. Dieses Jahr dürften weitere 5 Milliarden Euro vom Geld der Beitragszahler übrig bleiben, schätzt die Bundesbank. Sie regt zum wiederholten Mal an, Teile der Überschüsse zurückzugeben. Doch auf diesem Ohr ist die Regierung taub.

          Sozialministerin Andrea Nahles hat nämlich Großes mit der Behörde vor. Die soll ausgebaut werden zum Karriereamt für jedermann, zu einer „Arbeitsversicherung“, die nicht nur im Notfall hilft. Drei Agenturen testen die „lebensbegleitende Berufsberatung“ nun. Agentur-Chef Weise verkauft die Neuerung ganz im Sinn der SPD-Politikerin als notwendiges Projekt, um die Wirtschaft in der digitalen Zukunft mit passgenau qualifiziertem Personal zu versorgen und Arbeitslosigkeit vorzubeugen.

          Wirklich? Hier wird der öffentliche Bildungsauftrag gewaltig überdehnt in der falschen Annahme, der Berufsweg sei in planenden Beamtenhänden gut aufgehoben. Dem Tempo und der bunten Vielfalt der Bedürfnisse privater Unternehmen wird das nicht gerecht. In einer Marktwirtschaft kann es keine Arbeitsversicherung geben. Nahles sollte mit dem Etikettenschwindel aufhören.

          Heike Göbel
          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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