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Kommentar : Junckers Verzweiflungstat

Jean-Claude Juncker hat, mit Verlaub, den Schuss nicht gehört. Es ist Zeit, dass er sich verabschiedet.

          Jean-Claude Juncker hat, mit Verlaub, den Schuss nicht gehört. Dem EU-Kommissionspräsidenten fällt in Reaktion auf das Brexit-Votum der britischen Wähler nichts anderes ein, als postwendend auf eine „Vollendung“ und weitere Vertiefung der Währungsunion zu setzen.

          Er ignoriert, dass sich just diese Währungsunion, die er und andere vor 25 Jahren initiiert haben, in den vergangenen Jahren als der größte politische Spaltpilz in der EU erwiesen hat. An den Dauerstreit in der Eurokrise will er sich offenbar nicht mehr erinnern. Sein antibritischer Affekt lässt ihn auch vergessen, dass die allerletzte Lehre aus dem britischen Referendum sein kann, es müsse jetzt „mehr Europa“ geben.

          Die britischen Wähler, wie kenntnisreich ihr Votum auch immer gewesen sein mag, wollten das Gegenteil. Die Stimmung ist in der übrigen EU nicht anders. Schließlich lässt Juncker abermals auf fatale Weise erkennen, wie wenig er sich als Kommissionspräsident für die ganze EU versteht. Mit seinem Vorschlag stößt er völlig unnötig die osteuropäischen Nicht-Euro-Staaten vor den Kopf, die derzeit wahrlich andere Sorgen als die Euro-Einführung haben. Es ist Zeit, dass sich dieser Kommissionschef verabschiedet.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

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