https://www.faz.net/-gqe-a58gb

Jens Spahn : Intensivstationen in Not?

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will es mit einem weiteren Rettungsschirm im Gesundheitswesen nicht überstürzen. Bild: EPA

Die stark steigende Zahl an Covid-19-Infektionen schlägt auf die Stationen durch, vereinzelt werden jetzt die Plätze rar. Aber Spahn wäre nicht Spahn, wenn er in den kommenden Tagen nicht eine Lösung fände, die es allen recht macht.

          1 Min.

          Intensivstationen sind für Notfälle da, sind sie jetzt selbst ein Notfall? So weit ist es noch nicht, aber die stark steigende Zahl an Covid-19-Infektionen schlägt mit Verzögerung auf die Stationen durch, vereinzelt werden jetzt schon die Plätze rar. Die vergleichsweise hohe Zahl verfügbarer Betten täuscht über die wahre Knappheit hinweg, denn die Vakanzen sind zwischen Ballungszentren und Peripherie ungleich verteilt. Außerdem nützen die modernsten Beatmungsgeräte nichts, wenn qualifiziertes Personal fehlt. Es mag im Sinne der Corona-Prävention richtig gewesen sein, hohe Zuschüsse für neue Intensivbetten zu zahlen, nur leider ging das Hilfsprogramm nicht einher mit einer ausreichenden Rekrutierung und Ausbildung neuer Intensivpflegekräfte.

          Steuermillionen für die Kliniken?

          Es ist verständlich, dass die Krankenhausmediziner auf eine Wiederholung jenes Programms aus dem Frühjahr dringen, wodurch planbare Behandlungen „normaler“ Patienten verschoben und die damit zusammenhängenden Umsatzausfälle erstattet würden. Die freiwerdenden Schwestern und Pfleger könnten sich um Corona-Patienten kümmern. Es ist aber auch verständlich, dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) einen neuen Rettungsschirm nicht überstürzen will. Die Erfahrungen aus der ersten Runde haben viele Mitnahmeeffekte und möglicherweise sogar Betrügereien ans Tageslicht gefördert. Manches Krankenhaus hat sich an den „Bettenpauschalen“ sprichwörtlich gesundgestoßen.

          Aber Spahn wäre nicht Spahn, wenn er in den kommenden Tagen nicht eine Lösung fände, die es allen recht macht – auch wenn das vermutlich bedeutet, weitere Steuermillionen in die Kliniken zu stecken. Krisensystematisch wären Kompensationen durchaus zu rechtfertigen: Wie Gaststätten oder Hotels würden Teile der Kliniken geschlossen und die Umsatzausfälle ausgeglichen.

          Langfristig lassen sich die medizinischen Engpässe mit Improvisationen aber nicht beheben. Nötig sind Offensiven, um mehr Pflegekräfte einzustellen und zu qualifizieren. Welchen schöneren Beruf könnte es geben, als Menschen zu heilen und zu retten? Wie schade, dass diese vielversprechende Perspektive für junge Leute oft genug durch unattraktive Arbeitsbedingungen überschattet wird.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          So sieht der EQS aus.

          Der neue EQS : 770 Kilometer soll er schaffen

          Der EQS ist die elektrische Version der S-Klasse und gleichzeitig deren Konkurrent. Mit beiden will Daimler dicke Margen einfahren.
          Coinbase-Gründer Brian Armstrong in San Francisco im Jahr 2016

          Brian Armstrong : Der Mann hinter dem digitalen Goldrausch

          Keine 30 Jahre war Brian Armstrong alt, als er mit Coinbase ein Unternehmen gründete, das heute wertvoller als die New Yorker Börse ist. Er ähnelt den findigen Geschäftsleuten, die während des Goldrauschs im Wilden Westen Schaufeln und Spitzhacken verkauften.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.