https://www.faz.net/-gqe-6uyhk

Kommentar : Haniel schadet allen Familienunternehmen

  • -Aktualisiert am

Franz Markus Haniel spricht 2010 auf der Hauptversammlung der Metro AG in Düsseldorf Bild: ddp

Familienunternehmen stützen die deutsche Wirtschaft und begeistern andere für das Unternehmertun. Gemessen daran erweist die Haniel-Familie der Branche schon lange einen Bärendienst. Es wird Zeit, dass sie wieder Verantwortung übernimmt.

          1 Min.

          Was wäre Deutschland ohne seine Familienunternehmen? Sie sind die solide, langfristig belastbare Stütze der Volkswirtschaft. Die Erfolge werden meist im Stillen genossen, doch täte mehr Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache gut. Das gilt nicht nur mit Blick auf das eigene Unternehmen, sondern auch, um sich stärker in die gesellschaftliche Diskussion zum Beispiel um die Vorzüge des Unternehmertums und der Sozialen Marktwirtschaft einzubringen.

          Denn das Eigentum bringt Verantwortung mit sich. Es reicht nicht, einfach nur Gewinne zu kassieren oder, wenn es schlecht läuft, mit seinem Vermögen zu haften. Das immerhin tun die Familien. Gerade deshalb gilt es, auch im Interesse des eigenen Vermögens, beste Corporate Governance vorzuleben. Und es gilt, dann auch darüber zu reden, um andere für das Unternehmertum zu begeistern.

          Gemessen daran erweist die Duisburger Familie Haniel mit ihrem Unternehmen Franz Haniel & Cie. und deren Beteiligungen, unter anderem am Dax-Konzern Metro oder dem Pharmagroßhändler Celesio, dem Ruf der deutschen Familienunternehmen seit einiger Zeit einen Bärendienst. Denn im Hause Haniel herrscht Missgunst.

          Völlig hilfloser Zauberlehrling

          Wie bei den Haniels sollte Öffentlichkeitsarbeit von Familienunternehmen eben nicht verstanden werden. Hier werden keine unternehmerischen Strategien in den Vordergrund gestellt, sondern Machtspiele ausgetragen. Das Familienoberhaupt Franz Markus Haniel gibt den völlig hilflosen Zauberlehrling: Er hat Eckhard Cordes geholt, der nach langem Hin und Her als Vorstandsvorsitzender der Metro keine Zukunft hat. Er hat Jürgen Kluge geholt, der für sich als Haniel-Chef keine Zukunft mehr sieht. Die teuren Manager finden sich zwar selbst toll, haben aber auch bei wohlwollender Betrachtung nicht das geliefert, für das sie Haniel eingestellt hat.

          So steht Haniel nun im Regen und muss neue dienstbare Geister rufen, die sein Reich besser verwalten. Das wird nur gelingen, wenn die Familie mehr Verantwortung übernimmt. Franz Markus Haniel braucht mehr Loyalität, aber auch mehr externen Sachverstand im Haniel-Aufsichtsrat. Prominente Namen angestellter Chef-Manager in ihren Unternehmen konnten diesen Mangel nicht heilen. Deshalb wird es für die Familie Haniel Zeit, wieder zupackender zu werden. Ist es soweit, sollte sie darüber reden.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Angeklagter: Der 93 Jahre alte Bruno D. wird aus dem Gerichtssaal in Hamburg geschoben.

          Prozess um SS-Wachmann : Eine große Umarmung

          Im SS-Prozess in Hamburg sagt ein früherer Häftling des KZ Stutthof aus. Er berichtet von furchtbaren Taten und Erlebnissen. Und er will dem Angeklagten vergeben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.