https://www.faz.net/-gqe-7qmcj

Kommentar : Händlerschreck Amazon

Amazons neues „Fire Phone“ könnte die Macht des Konzerns im Online-Handel zementieren. Wie auch andere Produkte ist es ein Vehikel, um andere Dinge zu verkaufen.

          1 Min.

          Der amerikanische Online-Händler Amazon.com hat einen recht pragmatischen Blick auf sein Geschäft mit Elektronikprodukten. Dem Konzern geht es nicht darum, die schönsten und spektakulärsten Geräte zu entwickeln, für die Verbraucher womöglich stundenlang anstehen. Vielmehr sieht Amazon die Produkte in erster Linie als ein Vehikel, um andere Dinge zu verkaufen, etwa digitale Bücher oder Filme.

          Diese Philosophie ist noch bei keinem anderen Produkt von Amazon so deutlich geworden wie beim jetzt vorgestellten „Fire Phone“, dem ersten Handy des Unternehmens. Apple und Samsung, die Marktführer im Smartphone-Geschäft, müssen sich keine allzu großen Sorgen machen, dass das Fire Phone zur großen Bedrohung ihrer Geräte wird – ebensowenig wie dies mit dem Amazon-Tabletcomputer Kindle Fire bislang der Fall war.

          Aber das neue Handy könnte Amazon helfen, seine ohnehin schon gewaltige Macht im Online-Handel zu zementieren. Denn mit dem Fire Phone öffnet Amazon nicht nur ein Fenster zu seinen digitalen Medieninhalten, sondern über eine spezielle Scan-Funktion auch zu einem Großteil seines restlichen Sortiments. Wenn Besitzer des Geräts zum Beispiel in einem Laden etwas sehen, das sie interessiert, können sie nun viel leichter herausfinden, ob und zu welchem Preis Amazon das Produkt im Angebot hat – und es gleich kaufen

          Ob dies in der Praxis so funktioniert wie von Amazon erhofft, muss sich noch zeigen. Aber auf jeden Fall hat Amazon mit dem Gerät eine weitere Kampfansage an den traditionellen Einzelhandel geliefert.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

          Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.
          Olga Tokarczuk und Peter Handke nach ihren „Nobel Lectures“ in Stockholm.

          Vorträge der Nobelpreisträger : Eine Rede aus zweiter Hand

          Peter Handke zitiert in seinem Vortrag vor allem eigene und fremde Werke. Dagegen bemüht sich Olga Tokarczuk um ein neues Ideal für die Literatur, das sich an der ältesten Erzählperspektive der Welt orientiert: der der Bibel.

          Klimademo in Madrid : 500.000 Demonstranten – oder 15.000?

          Eine halbe Million Menschen demonstrierten laut Greta Thunberg in Madrid für eine andere Klimapolitik. Die Polizei zählte allerdings deutlich weniger. Die Aufmerksamkeit der Weltpresse verzerrt das Bild.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.