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Kommentar : „Grexit“

  • -Aktualisiert am

Die neue Regierung Griechenlands provoziert die übrigen Europäer. Aber wer traut sich, den Geldhahn zuzudrehen?

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          Die neue Regierung Griechenlands bringt mit einer Politik der maximalen Provokation alle gegen sich auf. Sogar die angeblich verbündeten Italiener finden es nicht mehr lustig, wenn der griechische Finanzminister seinen italienischen Kollegen wissen lässt, dass Rom auch pleite sei. Kaum hatte in der Nachtsitzung am Donnerstagmorgen Bundesfinanzminister Schäuble den Raum verlassen, kassierte sein Kollege aus Athen die gemeinsam beschlossene unverbindliche Erklärung zu Griechenland wieder ein, um noch mehr finanzielle Zugeständnisse zu fordern. Wie eine Gruppe Halbstarker toben sich die Griechen in Brüssel aus. Einerseits versetzen sie damit das bemüht kollegiale Aufsichtspersonal der Erziehungsanstalt Eurogruppe in Angst und Schrecken. Andererseits sorgen sie für einhellige Ablehnung. Warum machen sie das? Offenbar sind sie sicher, dass die Euroländer weiterzahlen, egal, was passiert.

          Die griechische Regierung setzt den Wahlkampf auf europäischer Bühne fort. Erst wird so getan, als wolle Berlin aus Griechenland eine Schuldenkolonie machen. Dann wird behauptet, man brauche keine neuen Kredite. Erst wird versprochen, dass man seine Anleihen zurückzahlen wolle. Dann wird den Anlegern zugerufen, man sei bankrott. Unterdessen werden fleißig Ressentiments geschürt. Während der rechtsradikale Teil der Regierung über das vierte Reich schwadroniert, legt der linksradikale Teil im eigenen Parteiblatt einer Karikatur von Schäuble in Wehrmachtsuniform geschmacklose Zitate in den Mund: „Wir bestehen darauf, Seife aus eurem Fett zu machen. Wir diskutieren nur über Düngemittel aus eurer Asche.“

          Das zerstörte Vertrauen ist aber nicht einmal der größte Verlust. Schlimmer ist die verlorene Glaubwürdigkeit, wenn die Eurogruppe so mit sich spielen lässt. Aber wer traut sich, den Geldhahn zuzudrehen? Die Brückenfinanzierung, die Griechenland von der Eurogruppe verlangt, kommt in Wahrheit doch längst von der Europäischen Zentralbank. Die gerade von neun auf 60 Milliarden Euro angehobene Notfallliquidität wurde in dieser Woche heimlich wegen zunehmender Kapitalflucht um fünf Milliarden erhöht. Die Losung „Scheitert der Euro, scheitert Europa“ ist so falsch wie wenig hilfreich. Zu Glaubwürdigkeit findet Europa nur zurück, wenn es auf das halbstarke Gebaren selbstbewusst reagiert und auf den Notausgang „Grexit“ deutet.

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