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Kommentar : Googles Defensivmanöver

Der Kauf von Motorola wird wohl der teuerste in der Geschichte von Google. Der Konzern kann sich das zwar locker leisten, aber 12,5 Milliarden Dollar sind ein stolzer Preis für ein Unternehmen, das seine besten Tage hinter sich hat. Doch Google braucht die Motorola-Patente, um sein Android-Geschäft zu schützen.

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          Larry Page ist kein halbes Jahr als Vorstandsvorsitzender des Internetkonzerns Google im Amt und holt schon zum großen Schlag aus: Er will 12,5 Milliarden Dollar für den Kauf des Handyherstellers Motorola bezahlen. Wenn die Kartellbehörden mitziehen, wird es die mit Abstand teuerste Akquisition in der Geschichte von Google. Der vor Liquidität strotzende Internetkonzern kann sich dies zwar locker leisten, aber es ist ein stolzer Preis für ein Unternehmen, das seine besten Tage hinter sich hat. Motorola war einmal Marktführer im Handymarkt, spielt aber heute nur noch eine Statistenrolle.

          Die Übernahme von Motorola hat für Google auf den ersten Blick den Anschein eines transformierenden Schachzugs, mit dem der Konzern eine ganz neue Gestalt bekommt. Auf einmal wird das Unternehmen, das vor allem für seine Suchmaschine und andere Internetdienste bekannt ist, zu einem Hardwareanbieter mit Mobiltelefonen und Tabletcomputern. Diese Hardwareseite kann Google nun mit seinem Betriebssystem Android verknüpfen, das heute schon den Markt für internetfähige Handys oder Smartphones anführt. Auch wenn Motorola alles andere als eine Glanzadresse ist, hat diese Idee einer Verzahnung von Software und Hardware in einem „Ökosystem“ Charme.

          Apple demonstriert dies mit Erfolg bei seinem iPhone, das mit eigener Software läuft. Die in diesem Jahr geschlossene Allianz des angeschlagenen Handyherstellers Nokia mit dem Softwarekonzern Microsoft geht ebenfalls in diese Richtung. Doch läuft Google Gefahr, mit der Übernahme seine vielen anderen Partner unter den Handyherstellern zu verprellen.

          Indessen spricht viel dafür, dass es Page nicht in erster Linie deswegen auf Motorola abgesehen hat, weil er seine eigenen Geräte bauen will. Motorola verfügt über einen wahren Schatz von Patenten. Diese sind ein zunehmend entscheidender Wettbewerbsfaktor im Smartphone-Geschäft, wie die jüngste Flut an Klagen zeigt, die vor allem auf Google und seine Partner abzielt. Google musste unlängst zusehen, wie sich einige der härtesten Rivalen im Handymarkt zum gemeinsamen Kauf von Patenten des kanadischen Nortel-Konzerns verbündeten. Page konnte dies als eine konzertierte Kampfansage seiner Wettbewerber verstehen. Die Motorola-Übernahme ist daher für ihn in erster Linie ein teuer erkauftes Defensivmanöver, um sein Android-Geschäft zu schützen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

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