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Kommentar : Finanzinvestoren werden bescheidener

Einst als „Heuschrecken“ geschmäht, tun die Beteiligungsprofis heute alles, um nützlich zu wirken.

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          Über den Namen ihres wichtigsten Branchentreffs sind nicht alle Finanzinvestoren glücklich: die „Super Return“, die Superrendite. Denn Beteiligungsgesellschaften bemühen sich, vom Image als Firmenjäger wegzukommen, die Unternehmen kaufen, sanieren oder zerlegen - um sie nach wenigen Jahren mit Superrendite weiterzureichen.

          Private-Equity-Manager betonen heute, wie sie Mehrwert schafften - auch auf der Messe in Berlin war das allenthalben zu spüren. Das klassische Beispiel ist die Familiengesellschaft, die nicht das Geld oder die Erfahrung hat zu expandieren. Investmentprofis sehen sich als Helfer, um Zukäufe zu stemmen, mit den Banken zu verhandeln - eventuell auch einen Geschäftsführer zu finden, der schrittweise den nachfolgelosen Firmenpatriarchen ablöst.

          Nicht umsonst ist momentan viel von kleinen und mittleren Unternehmen die Rede, gerne aus Deutschland. Die spektakuläre Übernahme eines börsennotierten Konzerns kommt in der Diskussion seltener vor. In der Anfangsphase der Private-Equity-Bonanza in Deutschland vor gut einem Jahrzehnt übernahm Blackstone den Chemieanbieter Celanese. Er holte ihn von der Börse und ließ ihn nach Amerika umziehen, weil dort die Marktbewertungen in der Chemie höher waren. Ein Arbitragegeschäft, ohne dass ein Nutzen für Celanese erkennbar war. Über solche Fälle redet die Branche heute weniger gerne.

          Die Akteure tun alles, um nicht konfrontativ zu wirken. Sie machen Konzessionen, und sie lassen sich auf Minderheitsbeteiligungen ein, also auf weniger Einfluss. Ein Beispiel ist KKR. Eher bekannt als rauher Investor, der Vorstände hinauswirft oder in großem Stil Stellen abbaut wie beim Besteckhersteller WMF, taten sich die Amerikaner mit dem Capri-Sonne-Eigentümer Hans-Peter Wild im Aromengeschäft zusammen. Als Auflage habe Wild verlangt, der Gesellschaft keine Schulden aufzuladen und nur Eigenkapital zu investieren. In Frankfurt stieg KKR mit einer Minderheit bei einem kleinen IT-Spezialisten ein, um ihn zum Weltkonzern auszubauen.

          Ein Katalysator für Veränderungen

          Dazu braucht es ein gutes Image. Man stößt noch immer auf Vorbehalte bei vielen Privatunternehmern, sieht sich aber nicht mehr so sehr als „Heuschrecke“ gebrandmarkt. Als der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering den Gesellschaften dieses Etikett verpasste, spielten manche Manager die Beleidigten. Im Rückblick alles halb so schlimm, konzediert einer der Private-Equity-Pioniere, Steve Koltes von CVC.

          Und die Vorstände in den Unternehmen? „Die haben sich an uns gewöhnt.“ CVC liefert ein prominentes Beispiel, wie Private Equity als Katalysator für Veränderungen dienen kann. Die Gesellschaft trieb als Miteigner des Mischkonzerns Evonik maßgeblich den Verkauf von allem voran, was nicht Chemie war - mit Blick auf den Gang an die Börse, wo Konglomerate keinen Gefallen finden. In dem politisch bestimmten Konzern wäre der Umbau ohne den Druck der Finanzinvestoren schwer vorstellbar gewesen.

          Nun kann man darüber diskutieren, ob man ein Konglomerat der Kapitalmarktmode wegen aufteilen muss, aber in jedem Fall ist die Funktion des Investors hier klar erkennbar. Mehr Fragen werfen die vielen Transaktionen auf, bei denen Unternehmen von einer Beteiligungsgesellschaft an die nächste wandern. Das wird mit den verschiedenen Stadien der Unternehmensentwicklung begründet. Etwa so: Private-Equity-Haus A stellt ein kleines deutsches Unternehmen international auf und verkauft es weiter, weil die Kapitalgeber des finanzierenden Fonds ausbezahlt werden wollen.

          Private-Equity-Haus B ermöglicht dann, dass das Unternehmen zukauft und durch Größe Macht gewinnt. Unter Haus C geht es dann weiter mit einer anderen „Story“. Zunächst kann das plausibel sein, aber viele Beteiligungsprofis geben zu, dass ihnen das suspekt ist - spätestens vom dritten Finanzinvestor an. Wie kann man da noch Gewinn machen, außer auf Kosten des Unternehmens? Nicht zuletzt geht bei jeder Transaktion Geld an Rechts- und Investmentberater verloren.

          Machtverhältnisse in der Branche verschieben sich

          Die Gefahren für die Branche sind klar: Die Geldschwemme der Notenbanken treibt die Unternehmensbewertungen, die als Vielfaches (Multiple) des Vorsteuergewinns erfasst werden. Carlyle-Co-Gründer David Rubenstein rechnet vor, dass die Multiples im vergangenen Jahr etwa in Amerika im Schnitt bei 9,7 lagen, gegenüber 7,9 im Mittel der vergangenen 20 Jahre.

          Und die Verschuldung? Sie mache momentan niemanden nervös, sagten Teilnehmer eines Kreditgeber-Panels auf der „Super Return“. „Noch nicht“, mahnte einer von ihnen. Doch in der Branche verschieben sich die Machtverhältnisse - zugunsten der Kapitalgeber. Zumindest die Großen unter ihnen setzen niedrigere Gebühren durch und mehr Mitsprache in den Fonds.

          Die Gewinne, die an den Private-Equity-Häusern hängen bleiben, werden sinken, die Erträge für die Geldgeber auch, darin sind sich fast alle einig. Beteiligungsmanager beschwichtigen: Alle Anlageklassen stünden ja unter Druck - Hauptsache sei, man liefere mehr Erträge als die anderen. Dennoch: Die goldene Zeit ist vorbei. Private Equity bescheidet sich ein wenig. Die „Super Return“ wird zur „More Moderate Return“.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

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