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Kommentar : Falsche Vorschläge

EU-Binnenmarktkommissar Barnier will die Macht der vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften brechen. Die einzige Maßnahme, die dazu geeignet wäre, hat er aus seinem Katalog gestrichen.

          Manchmal spielt die Welt verrückt. Intelligente Menschen tun das, was nicht zielführend ist, und bekommen auch noch Beifall von jenen, denen sie mit ihre Taten schaden. So könnte man die Situation nach der Bekanntgabe des Richtlinienentwurfs zur Wirtschaftsprüfung in der Europäischen Union beschreiben. Binnenmarktkommissar Barnier wollte die Macht der vier großen Prüfungsgesellschaften brechen. Die einzige Maßnahme, die dazu geeignet wäre, hat er aus seinem Katalog gestrichen: Es wäre die Prüfung durch zwei Prüfungsgesellschaften gewesen, die es mittelständischen Prüfern ermöglicht hätte, zumindest als Zweitprüfer in großen Konzernen dabei zu sein.

          Die verbliebenen Vorschläge - Trennung von Prüfung und Beratung, Zwangsrotation, Akzeptanz internationaler Prüfungsregeln - sind zwar geeignet, die Unabhängigkeit der Prüfer zu erhöhen. Aber die Freude der mittelständischen Prüfungsgesellschaften über die Maßnahmen dürfte schon bald der Ernüchterung weichen. Keine der noch geplanten Maßnahmen ist geeignet, der Marktkonzentration entgegen zu wirken. Im Gegenteil: Bei geschickter Anwendung profitieren davon die Marktführer, nicht der Mittelstand.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

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