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Kommentar : Facebook vergrätzt seine besten Freunde

Es mag rechtlich in Ordnung gewesen sein, wie sich Facebook beim Börsengang verhalten hat. Der Ruf der Firma hat allerdings enorm gelitten. Es ist das Bild eines gierigen Konzerns entstanden, der nicht nur seine Nutzer ausquetschen will, sondern auch die Aktionäre.

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          Eine Facebook-Aktie kostet 32 Dollar? Vor zwei Wochen wäre das kein Grund zur Aufregung gewesen. Damals galt noch die Preisspanne, die Facebook für seinen Börsengang ursprünglich angegeben hatte. Und 32 Dollar waren in der oberen Hälfte.

          Facebook steht jetzt dumm da

          Doch heute ist dieser Kurs ein Ärgernis. Denn Facebook blieb nicht bei der avisierten Preisspanne, sondern verkaufte seine Aktien für 38 Dollar und das bedeutet: Die neuen Aktionäre haben schon nach wenigen Tagen einen enormen Verlust zu Buche stehen. Im Gegenzug haben Facebook und seine alten Aktionäre Gewinn gemacht. Verwerflich ist das nicht. Aber wer so gierig ist wie Facebook, der muss sich seiner Sache sehr sicher sein. Denn wenn etwas schiefgeht, steht man schnell dumm da. Und so geht es Facebook jetzt.

          Dabei ist das Unternehmen sowieso schon umstritten. Mit diesem Börsengang aber hat es seine besten Freunde vergrätzt: Die Aktionäre, die an eine goldene Zukunft des Unternehmens glauben und auf hohe Wertsteigerungen in den kommenden Jahren hoffen. Besonders sauer sind die Privatanleger. Sie bekommen das Gefühl, Aktionäre zweiter Klasse zu sein. Denn Facebook wusste schon seit einigen Tagen, dass eine Umsatzschwäche droht. Doch das Unternehmen informierte nur die Analysten rechtzeitig, also letztlich die Banken und Fonds - aber nicht die allgemeine Öffentlichkeit. Stattdessen erhöhte Facebook den Preis seiner Aktie. Kein Wunder, dass zu dem teuren Kurs am Ende besonders viele Privatanleger kauften.

          Die Stimmung hat sich gedreht

          Mag diese Aktion auch rechtlich in Ordnung gewesen sein, dem Ruf der Firma hat sie enorm geschadet. Es entsteht ein Bild vom gierigen Facebook, das nicht nur seine Nutzer ausquetschen will, sondern auch die Aktionäre.

          Das werden die Facebook-Manager noch spüren: Finanzvorstand David Ebersman wird es in Zukunft schwerer haben, neue Aktionäre zu finden. Und Firmengründer Mark Zuckerberg wird feststellen, dass sich die Stimmung in der Öffentlichkeit noch weiter gegen seine Firma dreht. Die nächsten Datenschutz-Gesetze werden härter ausfallen.

          Die Preiserhöhung der Facebook-Aktie hat dem Unternehmen und seinen Altaktionären eine starke Milliarde Dollar zusätzlich gebracht. Das hat sich nicht gelohnt. Die Firma trägt einen Rufschaden davon, der sie bald noch viel mehr Geld kosten wird.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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