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Kommentar : EZB unter Druck

Die Europäische Zentralbank verfehlt auch in diesem Jahr ihr Preisstabilitätsziel. Die Bürger fragen sich, wofür Draghi steht: Für billiges Geld und Rettungsaktionen oder für Preisstabilität?

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          Die Europäische Zentralbank steht zunehmend unter Druck, obwohl EZB-Chef Mario Draghi betont gelassen tut: Auch in diesem Jahr wird sie ihr Preisstabilitätsziel deutlich verfehlen. Entgegen früherer Angaben bleibt die Inflation hartnäckig über dem Zielwert von knapp 2 Prozent. Die unerfreuliche Prognose begründet Draghi mit teurem Öl und den Steuererhöhungen einiger Staaten.

          Mit seiner Verbeugung vor der Bundesbank will er Falken besänftigen, die seine ultralockere Geldpolitik und die Annahme fragwürdiger Sicherheiten mit Sorge sehen.

          Zugleich wäscht der EZB-Präsident seine Hände in Unschuld: Die lockere Geldpolitik habe den Ölpreis nicht getrieben. Sicher, der Hauptgrund dafür liegt im Nahen Osten. Doch der „Tsunami billigen Geldes“ - wie es Brasiliens Staatspräsidentin formuliert - spielt mit hinein, denn ein Teil der Liquidität fließt eben doch in Rohstoffanlagen.

          Für Deutschland liegt der Leitzins zudem real bei minus 1,4 Prozent, also viel zu niedrig. Die Bürger fragen sich, wofür Draghi steht: Ist sein oberstes Ziel, mit billigem Geld Banken und Staaten zu retten? Oder ist das oberste EZB-Ziel weiterhin Preisstabilität? Was zählt sind Taten, nicht Worte.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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