https://www.faz.net/-gqe-6ya8p

Kommentar : EZB unter Druck

Die Europäische Zentralbank verfehlt auch in diesem Jahr ihr Preisstabilitätsziel. Die Bürger fragen sich, wofür Draghi steht: Für billiges Geld und Rettungsaktionen oder für Preisstabilität?

          1 Min.

          Die Europäische Zentralbank steht zunehmend unter Druck, obwohl EZB-Chef Mario Draghi betont gelassen tut: Auch in diesem Jahr wird sie ihr Preisstabilitätsziel deutlich verfehlen. Entgegen früherer Angaben bleibt die Inflation hartnäckig über dem Zielwert von knapp 2 Prozent. Die unerfreuliche Prognose begründet Draghi mit teurem Öl und den Steuererhöhungen einiger Staaten.

          Mit seiner Verbeugung vor der Bundesbank will er Falken besänftigen, die seine ultralockere Geldpolitik und die Annahme fragwürdiger Sicherheiten mit Sorge sehen.

          Zugleich wäscht der EZB-Präsident seine Hände in Unschuld: Die lockere Geldpolitik habe den Ölpreis nicht getrieben. Sicher, der Hauptgrund dafür liegt im Nahen Osten. Doch der „Tsunami billigen Geldes“ - wie es Brasiliens Staatspräsidentin formuliert - spielt mit hinein, denn ein Teil der Liquidität fließt eben doch in Rohstoffanlagen.

          Für Deutschland liegt der Leitzins zudem real bei minus 1,4 Prozent, also viel zu niedrig. Die Bürger fragen sich, wofür Draghi steht: Ist sein oberstes Ziel, mit billigem Geld Banken und Staaten zu retten? Oder ist das oberste EZB-Ziel weiterhin Preisstabilität? Was zählt sind Taten, nicht Worte.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Weitere Themen

          Scholz nennt konkrete Zahl für Steuererhöhung

          Wahlkampf : Scholz nennt konkrete Zahl für Steuererhöhung

          Erstmals beziffert der SPD-Spitzenkandidat, wie hoch der Spitzensteuersatz unter ihm als Kanzler steigen könnte. Im Gegenzug macht er unter anderem einen Mindestlohn von 12 Euro zur Bedingung für jede Koalition.

          Wenn Bruno auf die Couch muss

          Depressive Hunde : Wenn Bruno auf die Couch muss

          Schweißpfoten und eingezogener Schwanz: Auch Hunde haben Ängste. Wird es zu schlimm, können sie zum Psychotherapeuten.

          Topmeldungen

          Olaf Scholz spricht vergangenen Samstag in München.

          Wahlkampf : Scholz nennt konkrete Zahl für Steuererhöhung

          Erstmals beziffert der SPD-Spitzenkandidat, wie hoch der Spitzensteuersatz unter ihm als Kanzler steigen könnte. Im Gegenzug macht er unter anderem einen Mindestlohn von 12 Euro zur Bedingung für jede Koalition.
          Zum Auftakt der Aktionswoche erhält eine Oberschülerin in Berlin vergangenen Montag eine Corona-Impfung.

          RKI-Zahlen : Inzidenz sinkt den sechsten Tag in Folge

          70,5 beträgt die Corona-Inzidenz aktuell – und ist weiter im Rückgang. Gesundheitsminister Spahn zieht eine positive Bilanz der Impf-Aktionswoche, und laut Umfrage stoßen 2G-Regeln bei den meisten Deutschen auf Zustimmung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.