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EY unter Druck : Schritte aus dem Wirecard-Morast

Vertrauen als Währung: EY will sein Kapital nicht verspielen Bild: AFP

Neue Deutschlandspitze und Theo Waigel als zusätzlichen Aufpasser: EY flieht nach vorne im Wirecard-Skandal. Doch der Schaden ist bereits angerichtet.

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          Wer mit beiden Beinen im Wirecard-Sumpf steht, muss aufpassen, darin nicht zu versinken. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hat jahrelang die Bücher des mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleisters kontrolliert, ohne den gigantischen Betrug aufzudecken. Deshalb kommt ihr bei der Aufarbeitung eine besondere Rolle zu. Lange hatten die Verantwortlichen ihre formelle Unschuld beteuert und sich ansonsten in Schweigen gehüllt. Nun geht man in die Offensive: Zur neuen Doppelspitze für das Deutschland-Geschäft gehört ein Franzose, der bislang für die Prüfstandards im Gesamtkonzern verantwortlich zeichnet. Zudem soll ein Beirat um den früheren Bundesfinanzminister Theo Waigel den Aufsichtsrat dabei unterstützen, die Einhaltung der ebenfalls neuen Qualitätsstandards zu kontrollieren.

          Die Flucht nach vorne kommt spät. Längst hat die Staatsanwaltschaft auch die Wirtschaftsprüfer ins Visier genommen. Der bisherige EY-Geschäftsführer Hubert Barth muss bald vor dem Untersuchungsausschuss in Berlin aussagen. Der jetzige Personalwechsel beugt möglichen Konsequenzen des Auftritts ein Stück weit vor.

          Vertrauen ist die harte Währung

          Doch schon der bislang angerichtete Schaden ist groß. EY ist in einem Geschäft unterwegs, in dem Vertrauen neben der tadellosen fachlichen Arbeit die harte Währung ist. Vergleiche mit dem früheren Rivalen Arthur Andersen, der im Zuge des Enron-Skandals zusammenbrach, mögen zwar voreilig sein. Doch ist die Unruhe in der EY-Kundschaft groß angesichts der drohenden Entschädigungsklagen. Der Kampf um neue Mandate wird noch härter werden, sollte ein Teil der Schuld bei EY festgestellt werden. Und die Geduld der internationalen EY-Partner mit den deutschen Kollegen ist ebenfalls arg strapaziert.

          Man wolle mit den nun verkündeten Schritten ein Zeichen setzen, heißt es von den Verantwortlichen. Allein mit Symbolik wird es jedoch nicht getan sein. Längst ist der Gesetzgeber auf den Plan getreten, den nicht nur die schärfere Trennung von Prüfung und Beratung bewegt. Derweil muss EY beweisen, dass die Lehren aus dem Fall Wirecard nicht nur auf dem Papier stehen, sondern rasch gelebte Prüfpraxis werden. Es wäre der erste Schritt heraus aus dem Morast.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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