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Kommentar : Erdogans Sündenböcke

Eigentlich sollte der Lira-Absturz für die türkische Regierung ein Weckruf sein, das Land als Wirtschaftsstandort wieder attraktiver zu machen. Doch das Gegenteil ist der Fall.

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          Wenn etwas falsch läuft in der Türkei, wollen die Regierung und ihre Partei AKP nie daran schuld sein. Das gilt für den wieder ausgebrochenen Kurdenkonflikt ebenso wie für die Exzesse der Gülen-Bewegung. Die wird für den Putsch im Juli verantwortlich gemacht, saß zuvor aber lange mit der AKP im selben Boot.

          Dass jetzt die Finanzmärkte und die Wirtschaft in Schieflage geraten, schieben Regierung und hörige Medien aufs Ausland. Hinter dem dramatischen Lira-Verfall vermuten sie ein Komplott der Finanzinstitute - angeführt von der Deutschen Bank - und eine diffuse „Zinslobby“.

          Natürlich beeinflussen Kreditvergaben und Zinsen die Devisenströme, und tatsächlich überprüfen derzeit alle Institute ihre Türkei-Positionen und werden ihr Geld notfalls zurückfordern. Dahinter stecken aber keine dunklen Absprachen, sondern rationale Markterwägungen.

          Wenn Ankara will, dass das scheue Kapital zurückkehrt, sollte es nicht zu kruden Anschuldigungen greifen, sondern den Standort attraktiver machen: durch kräftige Zinserhöhungen und durch die Stärkung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus. Danach sieht es nicht aus, daher bleibt die Türkei-Krise vor allem selbst verschuldet.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

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