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Deutscher Arbeitsmarkt : Ein neues Jobwunder?

  • -Aktualisiert am

Auch die Gastronomie stellt wieder ein. Bild: dpa

Wieder kommt der deutsche Arbeitsmarkt beeindruckend stark aus einer schweren Krise hervor. Es gibt aber Risiken - und die bestehen nicht nur in dem nachlassenden Impftempo.

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          Der deutsche Arbeitsmarkt kommt wieder einmal beeindruckend stark aus einer schweren Krise hervor. Nach monatelangen Trippelschritten nimmt er dank der Öffnungen der Wirtschaft nun so kräftig Fahrt auf, dass die Arbeitslosigkeit entgegen dem üblichen Saisonmuster sogar im Ferienmonat Juli sinkt. Das hat es seit der Wiedervereinigung erst ein einziges Mal gegeben. Besonders bemerkenswert ist diese Entwicklung, weil sie nicht darauf beruht, dass wieder mehr Arbeitslose an Fördermaßnahmen teilnehmen würden – auch die sogenannte Unterbeschäftigung sinkt. Der Aufschwung rührt schlicht und einfach daher, dass endlich mehr Arbeitslose eine Beschäftigung finden. Deutschland stellt wieder ein.

          Auch wenn die Folgen der Corona-Krise weiterhin deutlich sichtbar sind, wäre es also keine Überraschung, wenn im Ausland bald wieder vom „German Jobwunder“ die Rede wäre. Es stimmt ja auch: Im Vergleich zu anderen Ländern ist Deutschland trotz des kräftigen Einbruchs im Frühjahr 2020 glimpflich durch die Pandemie gekommen. Bei aller Freude über den Aufschwung sollte man die Risiken für die weitere Entwicklung aber nicht aus den Augen verlieren.

          Kurzfristig bestehen sie zum einen in dem Chipmangel der Industrie und zum anderen in dem nachlassenden Impftempo, das eine vierte Infektionswelle im Herbst und neue Einschränkungen wahrscheinlicher werden lässt. Entscheidend ist daher nun, so viele Menschen wie möglich von einer Impfung zu überzeugen. Am Horizont droht darüber hinaus durch die Transformation der Wirtschaft und die demografische Entwicklung eine Polarisierung des Arbeitsmarktes: mit verfestigter Arbeitslosigkeit vor allem von Geringqualifizierten auf der einen und Fachkräftemangel auf der anderen Seite.

          Deshalb muss schon jetzt das Thema Weiterbildung wieder stärker in den Fokus rücken. Dafür braucht es keinen gesetzlichen Anspruch, wie ihn die Gewerkschaften fordern, aber mehr Beratung und Transparenz, und das ganz gezielt vor Ort, damit Beschäftigte und Arbeitslose die für sie richtige Weiterbildung finden. Die passenden Instrumente haben die Arbeitsagenturen und Jobcenter schon an der Hand.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft.

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