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Eliten-Bashing : Ein Loblied auf den Nationalismus

Dunkler Himmel über dem Reichstag (Archivbild) Bild: dpa

Der Volkszorn gegenüber etablierten Eliten breitet sich aus. Immer lauter wird der Vorwurf, den entrückten Weltbürgern mangele es an Loyalität gegenüber der Heimat. Es ist höchste Zeit, den Nationalismus den protektionistischen Populisten streitig zu machen. Ein Kommentar.

          2 Min.

          Wie kann es kommen, dass die Eliten in aller Welt inzwischen derart verhasst sind, dass sich gegen sie von rechts bis links prima Wahlkämpfe machen und erfolgreich Wahlen gewinnen lassen? Wie kann es kommen, dass selbst prominente Mitglieder dieser Eliten – von Donald Trump bis Martin Schulz – sich einen Wettlauf im Eliten-Bashing liefern?

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Schaut man sich die fast paranoide Distanz der globalen Eliten zu Nation und Nationalismus an, liegt die Vermutung nicht fern, sie könnten an der Entfremdung mitschuldig sein. In den bildungsbürgerlichen Oberschichten gehört es zum guten Ton, sich als Weltbürger und Kosmopolit zu verstehen. Investmentbanker, Operndiven, Star-Ökonomen und alle übrigen Lonely-Planet-Traveller sind heute hier, morgen dort – getreu einem Song von Hannes Wader. Nationale Loyalitäten oder Souveränitäten halten sie für derart von gestern, dass sie all jene Mitbürger, die sich der Nation (gar dem Volk) verschreiben, im besten Fall als spießig und provinziell, im schlechtesten Fall als Nazi-versifft verachten.

          Dabei hat der liberale Kosmopolitismus reichliche Überlappungen mit einem linken Internationalismus, der die gutwilligen Bürger und Proletarier aller Länder auffordert, sich zu vereinen – wenngleich der deutschen IG Metall am Ende doch wichtiger ist, für die Opel-Arbeitsplätze in Rüsselsheim zu kämpfen als für die Peugeot-Jobs in Mulhouse.

          Heimatlosigkeit des Kosmopoliten

          Dem Kosmopoliten vorzuwerfen, er sei heimatlos, trifft ihn nicht sonderlich, hält er sich doch zugute, auf allen Flugplätzen der Welt zu Hause zu sein. Aber wohin gehört er wirklich? „Wenn du meinst, du seist ein Weltbürger, bist du in Wirklichkeit ein Bürger von nirgendwo“, hat die britische Ministerpräsidentin Theresa May einmal bemerkt. Das ist nicht nur der Kotau vor den Brexiteers, sondern auch eine melancholische Selbstkritik. Deren moralische Wendung ist die Einsicht aus Dostojewskis Brüdern Karamasow: Je mehr ich alle Menschen liebe, desto weniger liebe ich den einzelnen Menschen.

          „Nur Amerika zuerst“: Donald Trump setzt eindeutige Prioritäten.

          Der Harvard-Ökonom Dani Rodrik, ein linker Kosmopolit mit türkischem und amerikanischem Pass, hat vergangene Woche in einem spektakulären Essay auf den blinden Fleck der Weltbürgeridee hingewiesen: „Bürger“ oder „Citizen“ ist man qua definitionem nur innerhalb eines Staates oder einer Nation. Gibt es dort gute demokratische Institutionen mit freien Wahlen und Gewaltenteilung, dann ist ein solcher Nationalstaat das Stärkste, was man den Schwächsten wünschen kann. Unter einer Weltregierung oder einer Europaregierung wäre der Weltbürger ziemlich verloren.

          „Ideen zum ewigen Frieden“

          Dass man mit dem Internationalismus genau wie mit der Barmherzigkeit zu Hause beginnen muss, diesen schönen Gedanken des Neoliberalen Wilhelm Röpke haben die Kosmopoliten vergessen und kriegen ihn jetzt von den Rechts- und Linkspopulisten mit der protektionistischen Keule um die Ohren geschlagen. Die Liberalen haben es versäumt, für einen Nationalismus zu werben, der weiß, dass regionale Politik das Interesse am Wohlergehen der Mitbürger bedienen kann, ohne zum Verstoß gegen die Gebote einer universalen Moral werden zu müssen: Von offenen Handelsgrenzen, wenig Bürokratie, einer guten Steuer- oder Sozialpolitik profitieren die eigene und die anderen Nationen gleichermaßen.

          Nationalismus führt weder zwingend in den militärischen noch in den Handelskrieg. Nationalismus ist nicht Protektionismus und kommt gut aus ohne überhebliche Suprematieansprüche („America first“). Kommt es zum Konflikt – zum Beispiel bei der Migration –, kann man sich an Kants „Ideen zum ewigen Frieden“ orientieren, wonach das Freiheitsrecht auf Emigration nicht zwingend ein Recht auf Immigration nach sich zieht: Man darf überall anklopfen, hat aber kein unbedingtes Recht auf Einlass. Was soll an diesem Nationalismus verwerflich sein? Es ist höchste Zeit, den Nationalismus den protektionistischen Populisten streitig zu machen.

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