https://www.faz.net/-gqe-91fg2
 

Kommentar : Duell ohne Zukunft

  • -Aktualisiert am

In dem „Duell“ der Spitzenkandidaten ging es immer nur um die Krisen der Vergangenheit und der Gegenwart. Die Moderatoren hätten Merkel und Schulz besser nach deren Plänen für die Zukunft gefragt.

          1 Min.

          Bemerkenswert an dem „Duell“ der Spitzenkandidaten war das, was nicht gesagt wurde und worum es gar nicht ging: die Zukunft. Erst am Ende, als nach dem Herausforderer Martin Schulz (SPD) auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihr auswendig gelerntes Schlusswort aufsagte, wurde die Digitalisierung kurz angetippt. Anstatt immer wieder die Krisen der Vergangenheit (Banken) und der Gegenwart (Flüchtlinge) durchzunehmen, in denen sich die große Koalition schon vor Jahren so einig war wie gestern die „Duellanten“, hätte man Merkel und Schulz nach der Zukunft fragen können.

          Wie kann Deutschland seinen Wohlstand und seinen gesellschaftlichen Zusammenhalt erhalten in einer Welt, in der so vieles ins Rutschen gerät? Für das Managen des Flüchtlingsstroms haben sich Merkel und Schulz gelobt. Aber wie wollen sie in Afrika und Arabien die Fluchtursachen (Korruption, Armut, Staatsverfall, Gewalt, Religionskriege) bekämpfen, um die Migration zu stoppen? Was kommt durch die digitalen Umwälzungen auf Deutschland zu? Sind unsere Schulen und Universitäten gut genug, um die Kinder und Enkel fit für eine digitale Zukunft zu machen? Ist unser Arbeitsmarkt flexibel genug für die digitale Welt? Können die traditionell tragenden Säulen der deutschen Industrie, der Auto- und Maschinenbau sowie die Chemie, ihre führende Stellung in der Welt behalten?

          Vernetzte Mobilität ist eine größere Herausforderung als der Diesel. Was geschieht mit der teils maroden Infrastruktur? Mindestens so wichtig wie moderne Straßen, Brücken und Schienen wären digitale Hochgeschwindigkeitsnetze und eine Bildungscloud für die Schulen.

          Gerecht ist das nicht

          Wie rückwärtsgewandt dieses faktische Duett war, zeigt das Thema „Rente mit 70“. Natürlich will kaum jemand bis 70 arbeiten. Aber es ist auch klar, dass die Menschen zum Glück älter werden und künftig eine schrumpfende Zahl von Arbeitnehmern eine wachsende Schar von Rentnern finanzieren muss. Wer heute Mitte 50 ist, dem stellen die Rentenpläne von CSU und SPD mehr Geld in Aussicht. Zahlen sollen hierfür die Jüngeren. Gerecht ist das nicht.

          Politik zu Lasten der Jungen wird noch zunehmen, weil bei der nächsten Wahl mehr als die Hälfte der Wähler über 55 Jahre alt sein wird. Aber mit dem Blick in den Rückspiegel kann Deutschland die Zukunft nicht gewinnen. Wie es anders geht, zeigen die aufstrebenden Staaten in Asien, wo der Bildungshunger so groß ist wie die wirtschaftliche Dynamik.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zur Verteidigung gegen China bereit: Taiwans Präsidentin  Tsai Ing-wen bei einer Militärübung.

          Chinas Konflikt mit Amerika : Nach Hongkong jetzt Taiwan?

          Auch die militärischen Spannungen zwischen China und Amerika nehmen gefährlich zu. Ein gewaltsamer Konflikt der beiden Supermächte im südchinesischen Meer scheint nicht mehr ausgeschlossen.

          Neuer und Flick mahnen : Die gefährliche Lage beim FC Bayern

          Vor den entscheidenden Spielen in der Champions League herrscht beim FC Bayern große Zuversicht. Doch es gibt auch kritische Töne. Torhüter Manuel Neuer äußert sich derweil zu seinem umstrittenen Urlaubsvideo.
          Demo am 1. August in Berlin

          „Querdenken 711“ : Und wieder die Politiker!

          Eine Initiative peitscht Bürger in der Corona-Pandemie auf, um sie zu ihren Demos zu locken. Doch angebliche Belege sind gefälscht, Fotos aus dem Zusammenhang gerissen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.