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Kommentar : Draghis nächste Attacke auf den Sparer beginnt

  • -Aktualisiert am

Blick auf die EZB im Frankfurter Osten. Bild: Helmut Fricke

Die Europäische Zentralbank kauft demnächst Unternehmensanleihen. Das sollte die Sparer stören.

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          Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) trifft sich in der kommenden Woche ausnahmsweise nicht in Frankfurt, sondern in Wien. Bei solchen Zusammenkünften der Notenbanker fernab der Zentrale galt bisher stets die Regel: Wichtige Beschlüsse werden nicht gefällt.

          In der nächsten Woche allerdings wird dies anders sein. Denn Mario Draghi und seine Kollegen wollen dann über die Details eines Programms beratschlagen, das nun schon seit einigen Monaten an den Finanzmärkten für Aufregung sorgt. Es geht um den Ankauf von Unternehmensanleihen aus dem Euroraum, mit dem die EZB im Juni beginnen will. Ja, richtig gehört: Die Zentralbank kauft europäischen Firmen deren Anleihen ab – sie leiht den Unternehmen also auf direktem Wege Geld. Wer findet, dass dies beim besten Willen nicht die Aufgabe einer Zentralbank sein könne, wird von Mario Draghi und Kollegen oft als hoffnungslos altmodisch verunglimpft. Neue Zeiten, die von zu niedrigem Wachstum und zu niedriger Inflation geprägt seien, erforderten auch eine Geldpolitik ganz neuen Typs, argumentieren sie gerne.

          Doch bei Lichte betrachtet ist das neue EZB-Programm (Staatsanleihen kauft die Zentralbank ja sogar schon seit 2015 fröhlich auf), nicht nur ordnungspolitisch höchst problematisch. Sondern es handelt sich darüber hinaus auch um die nächste Attacke auf alle, die in diesen Zeiten versuchen, Geld zu sparen – also wir alle. Wenn die EZB nämlich wie angekündigt Anleihen von Firmen mit guten Ratingnoten kauft, macht sie damit einem weiteren Anlagesegment endgültig den Garaus, in das auch Privatanleger bislang recht gut investieren konnten. Sicher, die Zinsen für Firmenanleihen sind schon länger auf sehr niedrigem Niveau. Aber zumindest konnte man mit guten Unternehmenanleihen bislang mehr als mit Bundesanleihen verdienen.

          Wegen des EZB-Programms werden Anleger an solche Anleihen in Zukunft aber wohl gar nicht mehr herankommen. Bis zu 70 Prozent einer einzelnen Emission will die Notenbank kaufen – für den gewöhnlichen Sparer bleibt da nichts mehr übrig. Die Notenbank lässt durch ihre Eingriffe also nicht nur die Renditen weiter sinken, sondern sie treibt die Anleger zusätzlich ins Risiko: Wer in diesen Tagen Firmenanleihen kaufen will, hat nur noch riskante Papiere von Unternehmen mit schlechter Bonität zur Auswahl. Das kann nicht der Sinn von Geldpolitik sein.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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