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Kommentar : Digitaler Preiskampf

  • -Aktualisiert am

Es ist leicht zu sagen, der Online-Händler Amazon sei böse, und jeder Vertreter der alten, gemütlichen Welt der Verlage und Buchhändler sei gut. Doch man muss die Auseinandersetzungen differenzierter sehen.

          Es ist leicht zu sagen, der Online-Händler Amazon sei böse, und jeder Vertreter der alten, gemütlichen Welt der Verlage und Buchhändler sei gut. Dann kann man den Streit um höhere Rabatte auf die Preise für elektronische Bücher als Strategie von Amazon abtun, den eigenen Marktanteil noch weiter erhöhen und Autoren und Verlage um ihren gerechten Anteil am Erfolg bringen zu wollen.

          Es ist unangenehmer, die Welt differenzierter zu sehen, zumal man schnell in den Verruf gerät, ein Freund von Amazon zu sein. Das Argument, dass den Verlagen in Produktion und Vertrieb elektronischer Bücher viele Kosten nicht entstehen, die für gedruckte Bücher anfallen, ist aber auch nicht leicht aus der Welt zu schaffen. Ginge es nur darum, müssten E-Books tatsächlich sehr viel günstiger werden. Aber: Allein darum geht es nicht. Hinter den Auseinandersetzungen von Amazon mit seinen Lieferanten und mit Teilen seiner deutschen Mitarbeiter steckt mehr.

          Amazon steht symbolisch für die Veränderung der Medienwelt und des Einzelhandels durch die Auswirkungen der Digitalisierung und des Internets insgesamt. Auf diesen Wandel suchen diverse Spieler ein Antwort – und gewiss heißt die Lösung nicht immer, sich Amazon in die Arme zu werfen. Verbote, Boykotte (und Buchpreisbindungen) sind aber auch keine Alternative. In der digitalen Welt bestimmen die Kunden so sehr wie nie zuvor, was als Nächstes passiert. Und das nicht nur, aber auch beim Buch. Die Vermutung, dass sie für elektronische Bücher auf noch niedrigeren Preisen bestehen werden, liegt nahe – so wie einst beim Taschenbuch.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

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