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Kommentar : Die Sorgen der Händler

  • -Aktualisiert am

Deutschland geht es gut. Wirklich? Die deutsche Wirtschaft hat zuletzt viel weniger exportiert. Der Ifo-Index ist gesunken; der Brexit wirft Schatten voraus. Die TTIP-Gegner allerdings lassen sich von alledem kaum beeindrucken.

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          Nur wenige Politiker haben in dieser Haushaltsdebatte darauf verzichtet, sich in den wirtschaftlichen Erfolgen des Landes zu sonnen. Nicht nur die Kanzlerin schwärmte von der guten Wirtschaftslage, der sehr guten Verfassung des Arbeitsmarkts und dem Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft, das sich im wachsenden Konsum spiegele. Kaum ist die letzte Rede gehalten, bekommt das Bild der unerschütterlichen deutschen Unternehmen einen neuen Riss. Ins zweite Halbjahr ist die Wirtschaft nämlich nicht gut gestartet. Sie hat in diesem Juli zehn Prozent weniger exportiert als im Juli des vergangenen Jahres, das darf man als Einbruch bezeichnen. Auch die kurz zuvor veröffentlichten Produktionszahlen hatten enttäuscht, ebenso die Auftragseingänge.

          Für sich genommen, sagen Monatswerte natürlich nicht viel, auch hatten die Exporteure 2015 erst einen neuen Rekord hingelegt. Doch weisen sie schon länger auf Risiken in wichtigen Abnehmerländern hin, ob in China oder Amerika. Die nicht ausgestandene Krise in Südeuropa und der Brexit werfen weitere Schatten. Der jüngste Ifo-Geschäftsklimaindex kündete unerwartet von größerem Pessimismus der Unternehmen. Die deutschen Arbeitskosten steigen seit geraumer Zeit schneller als der europäische Schnitt, die Produktivität kommt nicht vom Fleck. Die Ökonomen haben Mühe, die gemischten Zeichen zu deuten. Mehrheitlich schätzen sie die deutsche Konjunktur, vor allem wegen des Konsums, aber noch als robust ein. Ende dieses Jahres könnte das Wachstum zwei Prozent erreicht haben, mehr als zunächst erwartet. Aber für das kommende Jahr werden die Prognosen allenthalben gesenkt. Zumindest eine konjunkturelle Delle zeichnet sich ab, sie wäre nach den gewohnten Zyklen eigentlich auch überfällig.

          Es ist leider nicht anzunehmen, dass sich die Gegner der geplanten großen Freihandelsabkommen vom kräftigen Exportminus beeindrucken lassen. Die Vorbereitungen für die nächsten Großdemonstrationen gegen Ceta und TTIP laufen auf Hochtouren. Man glaubt, Deutschland könne sich eine Blockade leisten. Doch im Abbau vieler Handelshemmnisse liegen neue Chancen, die auch die deutsche Wirtschaft bald dringend benötigen könnte. Die Bundesregierung sollte sich in Sachen Freihandel nicht beirren lassen, wenn sie sich weiter im Licht starker Unternehmen sonnen und deren Früchte verteilen möchte.

          Heike Göbel
          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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