https://www.faz.net/-gqe-abimn

Geld- und Finanzpolitik : Die Politik muss auf höhere Inflation vorbereitet sein

Frauen an der Macht: EZB-Chefin Christine Lagarde (l.) und Bundeskanzlerin Angela Merkel Bild: EPA

Es wäre unseriös, heute eine Periode hoher Inflationsraten für sicher zu halten. Trotzdem muss sich die Politik rechtzeitig für den Fall rüsten, dass Inflation ein ernsthaftes Problem werden könnte.

          3 Min.

          Im Mai 1941 traf der britische Ökonom John Maynard Keynes junge amerikanische Kollegen in Washington, um mit ihnen über die Folgen der damals mit dem Zweiten Weltkrieg verbundenen starken staatlichen Ausgabenprogramme zu diskutieren. Die Amerikaner redeten nach Jahren einer ernüchternden Wirtschaftsentwicklung über die heilsamen Folgen staatlicher Schuldenpolitik für Konjunktur und Beschäftigung. Keynes redete über die Gefahren hoher staatlicher Verschuldung für die Inflation im Falle einer Überhitzung der Konjunktur. Damals betrug die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten 2,3 Prozent, und die Neuverschuldung war dabei, von 2,8 Prozent (1941) der Wirtschaftsleistung auf 12,3 Prozent (1942) zu steigen. Als einen wahrscheinlichen Auslöser von Inflation betrachtete der Brite eine starke Verteuerung der Rohstoffe. Daher empfahl er rechtzeitig Gegenmaßnahmen, für die seine jungen amerikanischen Kollegen allerdings noch weniger Verständnis zeigten als für seine Analysen.

          Auch wenn sich Geschichte nach einem bekannten Bonmot Mark Twains nicht wiederholt, sondern allenfalls reimt, lohnt ein Vergleich mit der Gegenwart: Heute befindet sich die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten in etwa auf dem Niveau des Jahres 1941, und wie damals steigen die Preise für Rohstoffe deutlich. Im vergangenen Jahr erreichte die staatliche Neuverschuldung mit 14,9 Prozent der Wirtschaftsleistung ihren höchsten Stand in der Nachkriegszeit, und auch in diesem Jahr dürfte sie zehn Prozent überschreiten. Heute warnen Ökonomen der nicht mehr ganz jüngeren Generation wie Larry Summers, Olivier Blanchard und zuletzt auch Janet Yellen, die ihren Keynes noch gelesen haben, vor den Gefahren einer Kombination von konjunktureller Überhitzung und zunehmender Inflation, während sich viele jüngere Kollegen glücklich zeigen über jedes weitere Großprogramm, mit dem Präsident Joe Biden die staatliche Nachfrage erhöht.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Auf einem Verkehrsschild bei Mitterkirchen in Österreich hat jemand im Sommer 2020 die weiblichen Formen hinzugefügt.

          Allensbach-Umfrage : Eine Mehrheit fühlt sich gegängelt

          Nach dem Eindruck vieler Deutscher ist es um die Meinungsfreiheit derzeit so schlecht bestellt wie nie zuvor in der Bundesrepublik: Etwas weniger als die Hälfte glauben, man könne seine politische Meinung noch frei äußern.
          Abschiedsfoto vor dem Tierheim: Elvis, Koffer, Hut. Kurz darauf beginnt das Abenteuer.

          Hunde aus dem Tierheim : Die Bestie und mein großes Herz

          Wie ist es, einen Hund aus dem Tierheim zu adoptieren – insbesondere, wenn das Tier als schwierig gilt? Unser Autor berichtet von seinen ersten Wochen mit dem Mischling Elvis. Es sieht nicht gut aus.
          Ist das Geld bald wieder weniger wert?

          Tipps für Anleger : Neue Zeiten an den Finanzmärkten

          Die Geldentwertung kehrt zurück. Kluge Anleger stellen deshalb ihr Depot sorgfältig auf den Prüfstand. Doch worauf sollten sie jetzt setzen? Dieser Gastbeitrag zeigt die Alternativen.