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Handels-Kommentar : Die höchst komplizierte Gasleitung

Im Hafen Mukran in Mecklenburg-Vorpommern liegen schon Rohre für die Gasleitung. Bild: dpa

Der offene Streit um die Nord-Stream-2-Pipeline und der Technik-Wettlauf zwischen dem Westen und China zeigen: Der Freihandel hat es weiter schwer auf der Welt.

          Es gibt im internationalen Ein- und Verkaufen Bereiche, die vollziehen sich ziemlich unstrittig. Produkte wie Zahnbürsten, Sandspielzeug, Speiseeis, Wohnzimmerschränke fallen darunter und bis zu Beginn dieser Woche zum Beispiel auch Waschmaschinen. Da machen Unternehmer Geschäfte und Kunden können durch die zusätzlichen ausländischen Hersteller meist aus einem vielfältigeren Angebot wählen und müssen häufig infolgedessen sogar weniger dafür zahlen. Eine gute Sache also.

          Dann gibt es andere Bereiche, die höchst heikel sind, weil es da zwar einerseits auch „nur“ ums Geldverdienen geht. Andererseits aber auch um politische Macht und langfristigen Einfluss. Hochtechnologie fällt darunter. Unternehmen, die sie mit einer klugen Geschäftsidee verbinden, schaffen „ihren“ Ländern nicht nur enormen zusätzlichen Wohlstand, sondern auch strategisches Gewicht. Die Bedeutung des Silicon Valleys für die Vereinigten Staaten ist ein Beispiel - Konzerne wie Google, Apple, Amazon, Facebook und Microsoft sind an der Börse Abermilliarden Dollar wert. Sie haben Milliarden Kunden rund um den Globus. Das heißt, mit einigen Ausnahmen wie zum Beispiel China.

          Amerika gegen Russland

          Peking blockiert das größte soziale Netzwerk der Welt und auch Googles Suchmaschine - stattdessen sollen die 1,4 Milliarden Chinesen die Dienste der heimischen Anbieter nutzen, und ihnen ermöglichen, ebenfalls Unternehmen von Weltrang zu werden. Das ist mit Ailbaba, Tencent und Baidu bereits geschehen. Längst ist die Rede von einem technologischen Kalten Krieg - jüngster Warner davor ist der Bundesaußenminister Gabriel. Wenig erstaunlich, dass auch die Bundesregierung darüber nachdenkt, ob und wie sie bestimmte deutsche Unternehmen schützen muss vor in diesem Sinne strategisch motivierten Übernahmen.

          Neben der Hochtechnologie ist weiterhin auch die Energie einer der strategisch bedeutsamen Bereiche. Für Länder ohne eigene große Rohstoffvorkommen ist nicht egal, woher sie ihr Öl oder Gas beziehen - der Lieferant hat immer eine gewisse Macht; das Verhältnis ist anders als wenn es um Schokoriegel ginge.

          Das ist ein wichtiger Punkt, der hinter dem offen geführten Streit über die geplante neue Nord-Stream-2-Pipeline steckt. Deutschland würde durch sie Gas aus Russland ohne Durchleitung durch die Ukraine oder Polen bekommen. Erhöht das Vorhaben die Energiesicherheit Europas, wie die Bundesregierung argumentiert, oder verringert es sie, wie nun abermals der amerikanische Außenminister Tillerson während seiner Visite in Warschau klargemacht hat? Und dabei noch einmal bekräftigte, dass sein Land diese Pipeline nicht will. Da geht es natürlich auch um mögliche Geschäfte - amerikanisches Flüssiggas konkurriert mit russischem Erdgas aus der Pipeline.

          Aber es geht eben auch hier um strategischen Einfluss der Vereinigten Staaten einerseits und Russlands andererseits. Dass die Amerikaner den Schutz der internationalen Handelswege wesentlich garantieren durch ihre hohen Militärausgaben und mit dem Geld der amerikanischen Steuerzahler, ist eine weitere stets im Hintergrund stehende Dimension in diesem Geflecht.

          All das verdeutlicht einmal mehr, wieso ein möglichst freier Waren- und Kapitalverkehr unbestritten erstrebenswerte ökonomische Ziel bleiben, warum sie zugleich aber in der Realität wohl nicht zu erreichen sein werden. Auch in diesem Jahrhundert nicht.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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