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Carsten Knop

IT-Gipfel in Saarbrücken : Software muss Kern des Geschäfts werden

  • -Aktualisiert am

Gute Stimmung auf dem IT Gipfel in Saarbrücken. Bei der Digitalisierung hat Deutschland trotzdem weiter einiges aufzuholen. Bild: dpa

Die Musik in Sachen Digitalisierung spielt weiterhin nicht in Deutschland. Der Grund ist vor allem die maue Software-Kompetenz der Unternehmen. Das ließe sich in drei Schritten ändern.

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          Dass der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Internetkonzerns Google auf dem, wohlgemerkt, Nationalen IT-Gipfel in Deutschland die meiste Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, darf man als Fingerzeig betrachten. Trotz aller Bemühungen der deutschen Wirtschaft und Politik, in Fragen der Digitalisierung voranzukommen, spielt die Musik woanders. Immer wieder werden dieselben Dinge aufgezählt, die angepackt werden müssen, um daran etwas zu ändern.

          Und es trifft ja auch zu, dass die Breitbandnetze ausgebaut werden müssen, dass die Digitalkompetenzen in der Bundesregierung besser gebündelt werden sollten, dass Fördermittel, die reichlich vorhanden sind, gezielter eingesetzt werden könnten, dass es an digitaler Bildung fehlt – und Beschäftigungsformen in der digitalen Welt flexibler werden müssen.

          Was aber fehlt, ist die überzeugende unternehmerische Antwort auf die Schwierigkeit, dass Deutschland ebenso wie Europa zu wenig Softwarekompetenz hat und nicht jedes mittelgroße Unternehmen in der Lage ist, für Milliardenbeträge Softwareanbieter in den Vereinigten Staaten zu kaufen – so wie es Siemens erst in dieser Woche wieder getan hat.

          Software muss der Kern des Geschäfts werden

          Nötig wäre es zunächst, Softwareentwicklungskompetenzen, die man möglicherweise an Dritte ausgelagert hat, ins eigene Haus zurückzuholen. Denn Innovation findet in der Software statt. Software muss der Kern des Geschäfts werden. Der zweite Schritt sollte es sein, eine enge Partnerschaft mit einem Softwareunternehmen anzustreben, das am besten ebenfalls in Deutschland oder Europa ansässig ist – und mit seinen Produkten Schnittstellen in die digitale Welt öffnen kann.

          Das könnte, drittens, so weit gehen, es zu wagen, unter einer gemeinsamen, gesellschaftsrechtlich verflochtenen Holding ein ansonsten weiterhin selbständiges Softwareunternehmen mit einem ebenfalls weiterhin selbständig agierenden Maschinenbauer zu verbinden. Beide könnten dann mit gegenseitigem Verständnis Produkte für die digital-reale Welt entwickeln. Sie könnten sich gegenseitig Ideen liefern und hätten ein ganz anderes Gewicht als zuvor.

          Es wäre ein gelebter Industrie-4.0-Verbund. Der eine oder andere Maschinenbauer etwa sollte analysieren, welches Softwareunternehmen für ein solches Wagnis in Frage käme. Nur Unternehmen, die in ihren Branchen Weltmarktführer sind, könnten am Zustand der deutschen und europäischen Softwarelandschaft noch etwas ändern. Wollen sie selbst Weltmarktführer bleiben, kommen sie gar nicht daran vorbei.

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