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Problem in Metropolen : Deutsche Wohnungsnöte

Neubau-Wohnungen in Berlin-Kreuzberg Bild: dpa

Preise und Mieten für Wohnungen steigen – diese Tendenz wird sich in absehbarer Zeit nicht umkehren. Daran schuld ist keineswegs die hohe Politik allein.

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          Zum Aufatmen besteht am deutschen Wohnungsmarkt keine Veranlassung. Seit gut zehn Jahren steigen Preise und Mieten, und die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen, dass sich das Wohnen vor allem in den großen Städten unvermindert verteuert. Die meisten Auguren sehen wenig Anhaltspunkte dafür, dass sich diese Tendenz in absehbarer Zeit umkehren könnte. Die Einwohnerzahlen steigen vor allem in den Metropolen, die auch die notwendigen Arbeitsplätze bieten. Die Zinsen sind so niedrig, dass Immobilien schon mangels anderer rentabler Anlagen gefragt bleiben. Und die Bauwirtschaft und das entsprechende Handwerk sind so gut ausgelastet, dass sie wenig Anlass zu Preisnachlässen sehen.

          Unter diesen Rahmenbedingungen wird es dauern, bis sich die Lage am Wohnungsmarkt entspannt. Dringend notwendig wäre es, deutlich mehr Wohnungen zu bauen, um der starken Nachfrage entgegenzukommen. Doch das scheitert schon daran, dass zu wenig Bauland ausgewiesen wird – nicht nur wegen Nachlässigkeiten der Kommunen, sondern auch wegen deren Befürchtung, für die wegen des Wohnungsbaus notwendigen Kindergärten, Schulen und Verkehrswege finanziell nicht geradestehen zu können. Zudem tun viele Städter alles, um zu verhindern, dass vor ihrer Nase in Baulücken oder auf den Dächern weitere Wohnungen entstehen.

          Es ist also keineswegs die hohe Politik allein, die an den Wohnungsnöten schuld ist. Dennoch könnten Bund und Länder einiges tun. Dazu gehören die Verringerung und Vereinfachung der unübersehbar zahlreichen Bauvorschriften. Außerdem könnten die staatlichen Nebenkosten für Neubau und Wohnungskauf gesenkt werden, an erster Stelle die von den Ländern erhobene Grunderwerbsteuer. Anstatt sich auf diese Stellschrauben zu konzentrieren, steht im Bund und in vielen Ländern im Vordergrund, kurzfristig in die Preisentwicklung einzugreifen. Mietendeckel und Mietpreisbremse fördern aber nicht den notwendigen Wohnungsbau, sondern behindern ihn – und verlängern damit die Wohnungsnöte.

          Michael Psotta
          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

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