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Italien-Kommentar : Allein sein ist schwer

  • -Aktualisiert am

Stein des Anstoßes: das Treffen einer italienischen Regierungsmitglieds mit dem Aktivisten Maxime Nicolle von den französischen Gelbwesten hat die Krise ausgelöst Bild: AP

Aus Gedankenlosigkeit und Mangel an Taktgefühl römischer Politiker ist ein ernst zu nehmender diplomatischer Krach mit Frankreich entstanden. Doch für Italiens Wirtschaft bedeutet der Streit trübe Aussichten für die Zukunft.

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          „Viel Feind, viel Ehr“, das ist in Italien das Motto des rechtspopulistischen Lega-Vorsitzenden und Vizepremiers Matteo Salvini. Die Koalitionspartner von der Fünf-Sterne-Bewegung sehen sich im Wettbewerb und wollen nicht zurückstehen. So erklärt sich, wie aus Gedankenlosigkeit und Mangel an Taktgefühl römischer Politiker nun ein diplomatischer Krach mit Frankreich entstanden ist.

          Doch Italien braucht die Franzosen für die Finanzierung seiner Schulden und muss mit ihnen an vielerlei Fronten verhandeln. Rabiates Auftreten der Italiener könnte schneller negative Folgen haben, als sich dies viele römische Politiker vorstellen können.

          Damit wird auch deutlich, dass eine antieuropäische Einstellung und das Schwadronieren über Souveränität nicht weit tragen. Das wissen Italiens Unternehmer schon längst, denn sie sind eingebunden in viele internationale Netzwerke und Lieferketten.

          Für die Wirtschaft bedeuten das Souveränitätsgefasel und das Zerwürfnis mit Frankreich trübe Aussichten für die Zukunft. Die dramatisch verschlechterte Investitionsbereitschaft und nun auch noch die um 5,5 Prozent gesunkene Industrieproduktion zeigen, dass Autarkie den Italienern keine Perspektive gibt.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

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