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Verband VDA vor Zerreißprobe : Das Auto-Beben

Nicht nur VW-Chef Herbert Diess erhöht das Stressniveau beim Branchenverband VDA. Bild: AP

In der Autoindustrie liegen die Nerven blank. Der Umbruch in der Antriebstechnik erzeugt einen gewaltigen Kostendruck. Doch weil so viel auf dem Spiel steht, wäre ein Auseinanderfallen der Branche umso riskanter.

          Wenn es noch eines Beweises dafür bedurfte, wie tiefgreifend der Umbruch in der deutschen Automobilindustrie ist, so wurde er nun mit der kolportierten Austrittsdrohung von Volkswagen aus dem Branchenverband VDA erbracht. Denn hinter diesem Beben steckt viel mehr als die üblichen Eitelkeiten zwischen Platzhirschen, wie sie zur DNA solcher Organisationen gehören. Es geht um die Frage, in welche Richtung Deutschlands wichtigste Industrie nach der Ära des Verbrennungsmotors marschieren will, mit welcher Konsequenz und welchem Tempo.

          Es verwundert nicht, dass die Existenzfrage offensichtlich aus dem Volkswagen-Imperium an die Öffentlichkeit befördert worden ist. Denn dessen Vorstandsvorsitzender Herbert Diess treibt die Elektrifizierung des Autos mit Vehemenz voran. Viele Milliarden fließen in die Entwicklung und Produktion einer enormen Produktpalette, mit der die Wolfsburger ihren Titel als weltgrößter Hersteller dauerhaft verteidigen wollen.

          Um den gewaltigen Aufbruch zu flankieren, wirbt Diess bei der Politik für eine deutsche Batteriezellproduktion. Offenbar mit Erfolg – zumindest hat die dafür notwendige Senkung der Strom- und Energiepreise Eingang in die nationale Industriestrategie von Wirtschaftsminister Peter Altmaier gefunden. Nur aus den eigenen Reihen vermisst Diess Unterstützung. Denn die Wettbewerber BMW und Daimler stehen weniger unter Strom. Daimler will seinen Vorsprung mit Brennstoffzellen nicht aufgeben und scheut wie BMW das Risiko, alles auf die Karte Elektroantrieb zu setzen. Das ist klug, denn vieles spricht dafür, dass der Verbrennungsmotor noch lange notwendig bleiben und es zu einem Nebeneinander verschiedener Antriebe kommen wird. Die Aufgabe der Technologieneutralität im Autoverband zugunsten einer konsequenten Elektrooffensive erscheint falsch.

          Angesichts der gewaltigen Investitionen steht die Automobilbranche unter einem gewaltigen Kostendruck. Kein Wunder, dass die Nerven bei so manchem Manager blank liegen. Gerade weil so viel auf dem Spiel steht, wäre ein Auseinanderfallen der Branche umso riskanter, drohen Einzelinteressen doch im politischen Orbit deutlich schneller zu verhallen. Auch der hohe Einsatz zwingt die entscheidenden Akteure an einen Tisch: Denn auf dem Spiel stehen die wenigen Premiummarken von Weltruf, die Deutschland noch besitzt, sehr viele Arbeitsplätze und damit eine tragende Säule für Wachstum und Wohlstand in den kommenden Jahrzehnten.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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