https://www.faz.net/-gqe-8lwz0

Kommentar : Commerzbank hat einen weiten Weg vor sich

  • -Aktualisiert am

Die Commerzbank schrumpft sich weg von der Internationalität, welche die zweitgrößte deutsche Bank in den vergangenen Jahren sehr viel Geld gekostet hat. Aber Schrumpfen allein wird nicht reichen.

          Die Pläne sind bekannt, nun müssen sie verwirklicht werden: 9600 Arbeitsplätze möchte die Commerzbank loswerden. Das Investmentgeschäft wird deshalb stark verringert, statt auf drei steht die Bank bald nur noch auf zwei Säulen, die aber wesentlich stabiler und profitabler sein sollen als die alten. Man schrumpft sich weg von der Internationalität, welche die zweitgrößte deutsche Bank in den vergangenen Jahren sehr viel Geld gekostet hat.

          Die Commerzbank möchte und muss endlich wieder rentabler werden. Das kann sie alleine versuchen oder mit einem starken Partner. Geht sie es alleine an, muss sie sich in ein wahres Profitcenter verwandeln. Das ist nicht nur wegen der maroden IT-Systeme im Hintergrund eine Herausforderung, die gesamte Digitalisierungsstrategie bereitet der Bank Probleme, ebenso das Niedrigzinsumfeld und die teuren regulatorischen Vorschriften.

          Schrumpfen allein führt noch nicht zu neuem Kapital

          Tut sich die Bank mit einem starken Partner zusammen, geht es darum, über Synergieeffekte profitabler zu werden. Doch im Moment möchte die Commerzbank eigentlich niemand anfassen, weswegen ihrem Vorstandsvorsitzenden Martin Zielke nur der erste Weg bleibt. Allerdings führt Schrumpfen allein noch nicht zu neuem Kapital, weswegen die Bank gleichzeitig wachsen muss. Auf welchen Feldern genau, das vermochte bisher niemand zu erklären.

          Das ist ein Problem: In einer Zeit, in der die Commerzbank eine Art Aufbruchsstimmung verbreiten müsste, kommt nichts. So bleibt nicht nur die Wachstumsstrategie im Ungefähren, auch die Frage, wo die 2300 neuen Stellen geschaffen werden sollen, wird nicht beantwortet. Doch um die künftig noch 38.000 Mitarbeiter „mitzunehmen“, braucht es Inspiration. Einen Umbau in dieser Größenordnung kann man nur gemeinsam mit den Mitarbeitern und Aktionären angehen, nicht gegen sie. Dass der Bund über den Umbau nach eigenen Angaben gar nicht informiert wurde, spricht Bände. Auch wird man sehen, wie klug es ist, die Dividende zu streichen. Die Börse ist jedenfalls nicht sonderlich angetan von den Plänen. Nachdem sie veröffentlicht wurden, drehte die Aktie ins Minus.

          Zielke hat einen weiten Weg vor sich, wenn er den Umbau in den nächsten Jahren erfolgreich gestalten möchte. Verläuft die Kommunikation ähnlich holprig wie bisher, wird es ein sehr langer und sehr steiniger Weg.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Verstehen sich: EU-Kommissionspräsident Juncker und Kanzlerin Merkel.

          Juncker über Merkel : „Die Geschichte wird ihr Recht geben“

          Merkel habe in der Flüchtlingskrise „richtig gehandelt“, lobt der scheidende EU-Kommissionspräsident. Österreich und Ungarn wären „unter der Last der Flüchtlinge zusammengebrochen“, hätte Deutschland seine Grenzen nicht geöffnet.
          Lencke Steiner, Spitzenkandidatin der Bremer FDP für die Bremer Bürgschaftswahl, könnte einem Jamaika-Bündnis im Wege stehen.

          FDP in Bremen : Im Reich des Tschakka

          Die aus dem Fernsehen bekannte Spitzenkandidatin der Bremer FDP, Lencke Steiner, gilt als Marketingtalent, aber auch als Hindernis für eine Jamaika-Koalition – beides steht in einem Zusammenhang.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.