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Kommentar : Camerons Angstspiel mit dem Brexit

  • -Aktualisiert am

David Cameron will den Brexit-Befürwortern den Wind aus den Segeln nehmen. Nun warnt er vor Nullrunden für Rentner und vor dem Wegfall von Sozialleistungen hin zum kostenlosen Busticket. Doch er sollte damit vorsichtig sein.

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          Wenn die Rente ins Spiel kommt, wird es ernst. Das ist in Großbritannien nicht anders als in Deutschland. Im Bestreben, den emotional für ihre Sache streitenden Brexit-Befürwortern den Wind aus den Segeln zu nehmen, warnt Premierminister David Cameron nun vor Nullrunden für Rentner und droht mit dem Wegfall anderer Sozialleistungen, bis hin zum kostenlosen Busticket. Angeblich wird ein Austritt aus der EU auch die Gesundheitsversorgung der Briten verschlechtern und die Möglichkeiten der Landesverteidigung.

          Dass ein Ausscheiden der Briten mit großer Unsicherheit verbunden wäre und zumindest vorübergehend negative wirtschaftliche Folgen haben wird, liegt auf der Hand. Aber für derart durchsichtige Panikmache sehen die meisten Ökonomen keinen Grund.

          Cameron setzt darauf, dass die EU-Mitgliedschaft am Ende für die meisten ein bloßes Rechenexempel ist und das Referendum von dem gewonnen wird, der mehr Geld oder weniger Einbußen verspricht. Er mag recht haben. Überzieht er das Angstspiel jedoch, wird er unglaubwürdig. So könnte er die EU-Gegner auf den letzten Metern stärken, denn bei ihnen gibt im Zweifel das Herz und nicht der Kopf den Ausschlag.

          Heike Göbel
          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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