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Kommentar : Klimaverzettelt

  • -Aktualisiert am

Ohne einen radikalen Wandel ist der „Kohleausstieg“ bis 2050 nicht machbar. Bild: dpa

Die Bundesregierung verpasst ein Klimaziel nach dem anderen. Auch eine Million E-Autos bis 2020 sind unerreichbar. Merkel sollte den Mund weniger voll nehmen.

          Wer sich zu viele Ziele setzt, läuft Gefahr, keines zu erreichen. Die Folgen solch fataler Verzettelung spürt die Bundesregierung in ihrer Klima- und Energiepolitik. Ein Ziel nach dem anderen wird nicht erreicht: 40 Prozent weniger Kohlendioxidemissionen bis 2020? Nicht machbar. 20 Prozent weniger Energiebedarf in Wohngebäuden bis 2020? Ausgeschlossen.

          Auch die Vorgabe, den Endenergiebedarf bis 2020 um 20 Prozent zu senken, kann die Regierung knicken, ebenso das Ziel, bis dahin eine Million Elektroautos auf die Straßen zu bekommen. Für die neue Wahlperiode seien deshalb weniger überehrgeizige Ankündigungen empfohlen, dafür mehr erfolgversprechende Taten.

          Anfangen sollte die nächste Koalition mit einer kritischen Überprüfung bestehender und einer realistischeren Festlegung neuer Vorgaben in der Klima- und Energiepolitik. Dazu muss das Eingeständnis gehören, dass mit heutigen Möglichkeiten und ohne radikale Änderung des Lebensstils eine „Dekarbonisierung“ bis 2050 nicht realistisch ist. Ziele müssen erreichbar sein, das weiß jeder Grundschullehrer. Vorgaben, die die Zöglinge von Anfang an überfordern, führen zum Gegenteil: Sie demotivieren.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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