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Kommentar : Ausgerechnet Zeitarbeit

Mit Maßnahmen gegen die Zeitarbeit lässt sich in der Politik gut punkten. Doch gerade diese Branche bietet Flüchtlingen die besten Einstiegschancen in den Arbeitsmarkt. Ein Umdenken ist nötig.

          Die Zeitarbeit ist das Schmuddelkind des deutschen Arbeitsmarktes. Gegen den Verleih von Arbeitskraft lässt sich in der Politik gut Stimmung machen, weshalb die Branche mit Verweis auf vermeintliche Missstände seit Jahren munter reguliert wird. Anfang April erst trat das jüngste Gesetz von Arbeitsministerin Nahles in Kraft. Es ist ein unausgegorenes Konvolut, das nicht mal ansatzweise das eigentliche Bestreben seiner sozialdemokratischen Schöpferin kaschieren kann: den Einfluss der Gewerkschaften auf die betriebliche Personalpolitik zu stärken.

          Daher kommt das Ergebnis einer neuen Untersuchung einer schallenden Ohrfeige für die politisch Verantwortlichen gleich. Es ist nämlich ausgerechnet die Zeitarbeit, welche Flüchtlingen die besten Einstiegschancen in den Arbeitsmarkt bietet. Jeder vierte Personaldienstleister kam schon mit Flüchtlingen in Kontakt, mehr als jeder achte hat auch welche eingestellt.

          Anstatt regelmäßig die Personalvorstände der börsennotierten Dax-Konzerne zu treffen, sollte sich die Ressortchefin deshalb einfach mal mit Vertretern der Zeitarbeitsbranche zusammensetzen und sie zur Abwechslung fragen, wie sie ihre schwierige Arbeit mit Langzeitarbeitslosen und Flüchtlingen unterstützen kann. Gerade kleinere Anbieter wären vermutlich schon für ein paar Klarstellungen zum jüngsten Gesetz dankbar. Es wäre ein Anfang.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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