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Kommentar : Ausgedieselt

Machen keine gute Figur im Abgasskandal: Volkswagen-Chef Matthias Müller und Audi-Vorstand Rupert Stadler Bild: dpa

Audi versucht die neuerliche Eskalation im Dieselskandal herunterzuspielen. Mit ihrem Gebaren bringen Audi und VW Deutschlands komplette Manager-Elite in Verruf.

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          Es sei nur eine „Auffälligkeit im Rahmen einer proaktiven, umfassenden Überprüfung in verschiedenen Modellvarianten“ festgestellt worden. So erklärt Audi, warum 24.000 Autos mit V6- und V8-Dieselmotoren in die Werkstätten beordert werden. In Wahrheit geht es nicht um einen harmlosen Rückruf, dessen „Zeitbedarf etwa 30 Minuten“ in Anspruch nehmen wird, wie Audi weismachen will. Tatsächlich ist es eine neue Eskalation im Dieselskandal.

          Denn nachdem die Vorzeigemarke des Volkswagen-Konzerns schon in den Vereinigten Staaten mit ihren Luxuslimousinen „auffällig“ geworden war, wird Audi nun von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt beschuldigt, auch in Deutschland durch den Einsatz einer offenbar illegalen Software die Abgaswerte manipuliert zu haben.

          Audi und VW haben den Diesel in Verruf gebracht. Die Ingenieure dieser Unternehmen haben jene illegale Abschalteinrichtung in der Motorsteuerung eingebaut, um die amerikanischen Abgasnormen zu umgehen – und offensichtlich auch die Prüfer in Deutschland auszutricksen. Schadensersatz- und Ausgleichzahlungen kosten den gesamten Konzern Milliarden. Audi und VW bringen auch Deutschlands Manager-Elite in Verruf. Im Wolfsburger Konzern mit seinem dichten Geflecht politischer und wirtschaftlicher Beziehungen und Abhängigkeiten werden die Manager seit jeher mit besonders hohen Gehältern zugeschüttet.

          Stadlers Abgang ist überfällig

          Unvergessen ist die üppige Abfindung für die Vorstandsfrau Christine Hohmann-Dennhardt, die für 13 Monate im Amt 12,5 Millionen Euro erhält samt einer Rente von 8000 Euro monatlich. Der zu Beginn des Dieselskandals geschasste Vorstandschef Martin Winterkorn bezieht eine Rente von 3100 Euro – pro Tag. Das gesamte Vorstandsteam bekommt in einem Jahr mit Rekordverlust noch Boni von 35 Millionen Euro überwiesen.

          Nach dem Manipulationsskandal befindet sich VW in der tiefsten Krise des Unternehmens. Öffnen

          Und Winterkorn-Nachfolger Matthias Müller verlängert den Vertrag von Rupert Stadler gleich um fünf Jahre. Das wird den überfälligen Abgang des gescheiterten Audi-Chefs, der seit zehn Jahren an der Unternehmensspitze steht und seit Beginn des Dieselskandals von einer Panne zu nächsten stümpert, nur noch teurer machen.

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          Man darf gespannt sein, wie SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz im heraufziehenden Wahlkampf den „hart arbeitenden Menschen“ solche Exzesse in jenem Konzern erklärt, in dem seit Jahrzehnten Gewerkschaften und Sozialdemokraten den Kurs bestimmen.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

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