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Kommentar : Aufstand der Zahlmeister

Katalonien ist eine reiche, stolze Region. Ihr Konflikt mit der spanischen Zentralregierung enthält eine Warnung: Völker sollten nicht das Gefühl bekommen, als Melkkuh missbraucht zu werden.

          Der Konflikt der Katalanen mit der spanischen Zentralregierung enthält eine Warnung, die ganz Europa beachten sollte. Katalonien ist eine reiche, stolze Region, deren Unabhängigkeitsbewegung sich auf kulturelle, aber auch finanzielle Gründe beruft. Das Land ist im intransparenten spanischen Finanzausgleich seit vielen Jahren einer der Hauptgeber.

          Es gibt weitere, ähnlich motivierte Regionalkonflikte: Auch viele Flamen im politisch zerrissenen Belgien fühlen sich als Zahlmeister und streben nach Unabhängigkeit. In Schottland oder Norditalien gibt es Sezessionsbewegungen. Dass der Katalonien-Konflikt just in dem Moment eskaliert, da in Brüssel und Europas Hauptstädten über eine stärkere Zentralisierung der EU und fiskalische Umverteilungsmechanismen (Euro-Budget) diskutiert wird, ist ein schlechtes Omen.

          Wenn Völker das Gefühl haben, sie werden als Melkkuh missbraucht, dann führt politisch-kulturelle Entfremdung zur Ablehnung einer als erzwungen empfundenen politischen Einheit. Im Extremfall zerfällt sie. Der Brexit war mehr als ein Warnschuss. Europa braucht nicht mehr Zentralismus und Umverteilung, sondern dezentrale, eigenverantwortliche und bürgernahe Vielfalt.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

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