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Kommentar : Apple-Versuchsballon

  • -Aktualisiert am

Steve Jobs, der Vorstandsvorsitzende des Computerherstellers Apple, liebt Revolutionen. Würde er sich dazu entschließen, mit Universal Music den größten Musikkonzern der Welt zu kaufen, würde das die geltenden Gesetze in der Musikbranche auf den Kopf stellen.

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          Steve Jobs, der Vorstandsvorsitzende des Computerherstellers Apple, liebt Revolutionen so sehr, daß er das Wort gelegentlich überstrapaziert. Dabei ist längst nicht jedes neue Computerdesign aus dem kalifornischen Cupertino einer solchen Bezeichnung würdig. Würde sich Jobs aber tatsächlich dazu entschließen, mit Universal Music den größten Musikkonzern der Welt zu kaufen, würde das die geltenden Gesetze in der Musikbranche in der Tat auf den Kopf stellen. Die Branche leidet seit Jahren darunter, daß das Kopieren digitaler Musik zum Volkssport geworden ist, dem inzwischen jeder vierte Deutsche regelmäßig nachgeht. Und der Marktführer ginge dann an ein Unternehmen, das mit seinen Produkten diese Raubkopien überhaupt erst möglich macht. Die Frage aber, ob ein solcher Kauf auch Sinn machen würde, bleibt so lange unbeantwortet, bis Jobs darüber berichten kann, was er mit Universal eigentlich vorhat. Hat Jobs neue Ideen für den legalen Online-Musikvertrieb, die dieses Geschäft endlich zu einer bedeutenden Umsatzquelle für die Musikkonzerne machen würden? Gibt es Apple-Computer demnächst mit kostenlos beigepackter Musik von Eminem und Shania Twain? Hat Apple nach einem Kauf von Universal noch genug finanzielle Luft, um weitere Krisenjahre in der Computerbranche zu überstehen? Bei so vielen Fragen drängt sich der Verdacht auf, daß Apple hier zunächst einen Versuchsballon gestartet hat, um die Reaktion des Marktes zu testen.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

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