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Kommentar : Ein neuer Flugplan

  • -Aktualisiert am

Auf dem deutschen Luftverkehrsmarkt ändert sich (fast) alles. Darüber freut sich die Lufthansa, aber es kommen noch andere zur Party hinzu. Den Kunden wird die Insolvenz kaum schaden.

          Der Umgang mit der Insolvenz von Air Berlin hat seine Eigenheiten. Denn er ist – jedenfalls noch – nicht dazu geeignet, die große ordnungspolitische Keule auszupacken und auf die jeweiligen Beteiligten einzudreschen. Zum einen: Noch ist gar nichts entschieden, auch wenn sich das schnell ändern wird, weil Air Berlin Zeit und Passagiere davonlaufen. Wenn dann aber über die Zukunft der Einzelteile von Air Berlin entschieden ist, werden die Kartellbehörden prüfen – sowohl in Deutschland als auch in Europa. Dies müssen und werden sie gewissenhaft tun. Zum anderen: Nichts deutet derzeit darauf hin, das alles allein auf die Lufthansa zuläuft, auch wenn es in der Berliner Politik dazu die eine oder andere ungeschickte Einlassung gegeben hat.

          Was aber ist denn nun wahrscheinlich? Die 38 derzeit schon für die Lufthansa-Gruppe betriebenen Flugzeuge von Air Berlin werden gewiss bei der Lufthansa landen. Alles andere wäre im Alltag sinnlos. Die Air-Berlin-Ferienfluggesellschaft Niki wiederum ist für Condor mit der Muttergesellschaft Thomas Cook und den Reisekonzern TUI interessant. Hier müssten Kartellwächter gewiss besonders aufhorchen, würde der Zuschlag an die Lufthansa mit Eurowings oder Austrian Airlines gehen. Easyjet wiederum dürfte an Kurzstrecken-Startrechten in Berlin und Düsseldorf Interesse haben. Die Lufthansa und vielleicht auch Condor werden von den dort angebotenen Langstreckenverbindungen angetan sein. Auf diesen Wegen könnten sich die allermeisten Air-Berlin-Mitarbeiter auf eine Weiterbeschäftigung freuen, wenn auch zu zum Teil anderen und manchmal schlechteren Konditionen.

          Grundsätzlich gilt auch, dass jede Option bestimmte Marktpositionen weiter stärken wird. Zu beachten ist dabei aber, dass mit Blick auf den europäischen Markt ein Wettbewerb zwischen den Gruppen um Air France, British Airways und einer erstarkten Lufthansa zu einem Oligopol führte, das in der Regel einen sehr starken Wettbewerb auslöst. Und überall dort, wo auf dem deutschen Markt selbst nach den regulierenden Eingriffen tatsächlich monopolartige Renditen entstünden, würden Angebote von Wettbewerbern und anderen Verkehrsträgern gewiss nicht auf sich warten lassen.

          Abgesehen davon gibt es ja noch Ryanair. Die Iren werden alle juristischen Möglichkeiten nutzen, um das Ergebnis der Air-Berlin-Zerschlagung prüfen zu lassen. Und sie werden im Zweifel auch eine Billigantwort auf zu hohe Preise haben. Weil es zu ihrem Geschäft gehört, werden sie aber auch dort laut „Foul“ rufen, wo das Spiel vielleicht doch fair abgelaufen ist. Auf dem deutschen Luftverkehrsmarkt ändert sich (fast) alles. Darüber wird sich die Lufthansa freuen, die sich geschickt in eine gute Position gebracht hat. Aber es kommen noch andere zur Party hinzu. Und dass im Ergebnis Kunden der alten Air Berlin eine Träne nachweinen werden, ist eher unwahrscheinlich.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

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