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Fanorganisationen : Abpfiff für verbrämte Fußball-Nostalgiker

  • -Aktualisiert am

Fußball wird oft nicht als Teil der Unterhaltungsbranche angesehen. Bild: Picture-Alliance

Die Corona-Krise habe die Schwächen des kaputten Fußball-Systems offenbart, sagen Fanorganisationen. Als Feindbild müssen mal wieder die Investoren herhalten. Wir sollten das Feld nicht den „Bewahrern der Fußballkultur“ überlassen.

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          Der FC Bayern steht kurz davor, den Euro-Jackpot dieser Fußballsaison abzuräumen. Gewönne der Klub am Sonntag das Finale in der Champions League gegen den schillernden Widersacher aus Paris, könnten unter dem Strich mehr als 115 Millionen mit Prämien und Beteiligungen an Fernseh- sowie Marketingerlösen aus der Teilnahme am lukrativsten Vereinswettbewerb zusammenkommen. Schon jetzt kann der deutsche Branchenführer knapp 80 Millionen Euro aus der Königsklasse für sich verbuchen, die er wieder investieren kann. Wenn die Fußballrepublik nicht eine selbstzerstörerische Diskussion erfasst hätte, könnte dieser Erfolg mitten in der Pandemie Optimismus verbreiten, zumal neben Dortmund mit Leipzig nun eine weitere gut geführte Sportunternehmung auf dem internationalen Markt Fuß zu fassen scheint.

          Stattdessen formiert sich ein Bündnis von Fanorganisationen, welches sich als Retter einer deutschen Fußballkultur geriert. Die Corona-Krise habe die Schwächen des kaputten Systems offenbart, tönt es aus der Sammelbewegung. Manche Funktionäre und Fußballmanager reiten opportunistisch mit auf dieser Welle, weil sie sich beim harten Kern des um Einfluss kämpfenden Kurvenpublikums anbiedern wollen. Schließlich geht es auch um den eigenen, gutdotierten Job. So ergibt sich ein Bild diffuser Forderungen. Als Feindbild müssen mal wieder die Investoren herhalten, die ihr eigenes Geld riskieren. Der Einsatz für eine gleichmäßigere Verteilung der Vermarktungseinnahmen zwischen großen und kleinen Klubs erscheint da noch am plausibelsten. Was das „kaputte System“ wirklich ist, erschließt sich allerdings nicht.

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