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Polen schließt Ölleitung : Abgehängt

  • -Aktualisiert am

Weißrussische Arbeiter stehen an der „Druschba“-Leitung nahe dem Dorf Bobovichi südlich von Minsk. Bild: AP

Polen macht eine Ölleitung aus Russland nach Deutschland dicht. Das zeigt die Verwundbarkeit des Systems – beweist aber auch: Deutsche Autofahrer können beruhigt tanken.

          Polen hat die Ölleitung von Russland nach Deutschland geschlossen. Das zeigt die Verwundbarkeit eines landgebundenen Pipelinesystems, vor allem, wenn es wenig Ausweichmöglichkeiten gibt. Die an die mehr als 5000 Kilometer lange Öltransportröhre angeschlossenen Raffinerien in Polen, aber auch in Ostdeutschland, vor allem in Schwedt an der Oder und in Leuna, drohen trocken zu fallen. Sie sind seit der Nacht auf Donnerstag auf ihre in Tanks gelagerten Reserven angewiesen.

          Jenseits des Schlaglichts, das der polnische Schritt auf die Debatte um Sinn und Unsinn der durch die Ostsee gelegten Gasröhren Nord Stream 1 und 2 wirft, muss man dem Nachbarn im Osten dafür dankbar sein. Anders als zuletzt 2007 durch Russland, waren offenkundig keine politischen Erwägungen der Grund für die Lieferunterbrechung. Das Öl ist stark mit Stoffen durchsetzt, die da nicht hineingehören. Sie sind in solcher Konzentration vorhanden, dass die Raffinerien das Öl nicht mehr verarbeiten könnten. Die Wachsamkeit der polnischen Chemiker hat so womöglich größere technische Schäden verhindert.

          Deshalb kann die Mineralölbranche bei aller Unsicherheit über die Versorgungslage zumindest das mit Sicherheit sagen: Zu Qualitätsmängeln bei den ausgelieferten Kraftstoffen, ob an Tankstellen oder bei Vorprodukten für die chemische Industrie, ist es nicht gekommen. Deutschlands Autofahrer können beruhigt tanken.

          Doch sind erhebliche Qualitätsmängel an anderer Stelle deutlich geworden. Vor allem in Russland selbst, wo die Kontrollsysteme versagt haben. Das Öl hatte immerhin schon mehrere tausend Kilometer zurückgelegt, ehe der Mangel auffiel. Wie im Brennglas beleuchtet der Lieferausfall einen anderen Missstand: den der vielfachen Abhängigkeit Deutschlands in der Versorgung mit Energierohstoffen von Russland. Sei es Öl, Gas oder Kohle, überall ist der große politische Kontrahent im Osten die Nummer eins.

          Autofahrer in Ostdeutschland könnten das durch Lieferengpässe oder Preissprünge an der Zapfsäule noch zu spüren bekommen. Auch wenn es in der Branche heißt, die Reservetanks seien gut gefüllt, es könne zudem über die Häfen Danzig und Rostock frisches Öl ins System gepumpt werden – billig wird das nicht. Erst recht gilt das dafür, die in der „Freundschafts“-Pipeline gefangene Öl-Sauerei zu bereinigen. Niemand weiß heute, wie das gehen soll und wann das System wieder regulär in Betrieb gehen kann.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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