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Kommentar : Abbruchkante

Der BGH urteilt, dass nur Autoren ein Urheberrecht haben, nicht aber die Verlage. Die Entscheidung stärkt vor allem Autoren.

          Früher waren Autoren und Verlage zwingend aufeinander angewiesen. Ohne Verlag konnte Geschriebenes nicht gelesen und bezahlt werden. Doch die vermeintliche Schicksalsgemeinschaft steht unter hohem Druck – die heutige Entscheidung des Bundesgerichtshofs im Fall „Vogel gegen VG Wort“ ist nur die jüngste sichtbare Abbruchkante. Das Urteil zeigt, was den Verlagen fehlt: ein eigenes Urheberrecht.

          Ein solches haben nur die Autoren – Verlage können daran bloß Nutzungsrechte erwerben. Daher darf Verlagen nicht pauschal ein Anteil an der Autorenvergütungen zukommen. So sehen es die Karlsruher Richter und auch zuvor schon der Europäische Gerichtshof. Beide Entscheidungen stärken Autoren, von denen manche die Verlage angesichts digitaler Möglichkeiten ohnehin für überschätzt halten.

          Ein eigenes „Leistungsschutzrecht“ für Verlage, ob in Brüssel oder Berlin beschlossen, könnte Ausgleich schaffen. In Deutschland gibt es diesen Schutz für Investitionen schon, aber nur für Presseverleger. Geholfen hat es bisher nicht. Die Verlage konnten sich nicht mit den Verwertern auf einen Preis einigen. Stattdessen hat das neue Recht die frühere Schicksalsgemeinschaft in Teilen sogar weiter auseinandergetrieben. Denn nun wurde umgekehrt gestritten, was den Autoren an den Einnahmen aus dem Verlagsrecht zusteht.

          Hendrik Wieduwilt

          Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

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