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Kirche in Deutschland : Digitale Klingelkörbchen für die Osterkollekte

Sammelkorb für die gottesdienstliche Kollekte Bild: dpa

Wo kein Gottesdienst, da auch keine Kollekte: Alle Kirchengemeinden in Deutschland mussten aufgrund der Corona-Krise ihre Türen schließen, um das Virus einzudämmen. Jetzt versuchen die Gotteshäuser es mit dem digitalen Opferstock.

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          Man könnte sagen, es gehört dazu wie das Amen in der Kirche: Jeden Sonntag geht ein Körbchen durch die Kirchenreihen, oder gar ein Klingelbeutel. Manchmal werfen die Besucher die Geldscheine und Münzen auch in den Opferstock. Die Kollekte ist normalerweise fester Bestandteil jedes Gottesdienstes. Doch wo kein Gottesdienst ist, gibt es auch keine Kollekte: Alle Kirchengemeinden in Deutschland mussten aufgrund der Corona-Krise ihre Türen schließen, um das Virus einzudämmen. Ulrich Lota, Sprecher des Bistums Essen, befürchtet daher einen „deutlichen Verlust an Kollekten-Einnahmen.“

          Christliche Tradition

          Stefanie Diemand

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Der größte Anteil der Kollekte fließe in die seelsorgerische und soziale Arbeit. In der Regel würden also Projekte finanziert, „deren Finanzierung nicht anderweitig abgesichert werden“ könne. Zusätzlich gebe es festgelegte Kollektentermine, um Geld für Hilfswerke oder die Caritas zu sammeln. In der evangelischen Landeskirche würden so vermehrt bestimmte Hilfsorganisationen unterstützt, sagt Voker Rahn, Sprecher der evangelischen Landeskirche Hessen/Nassau. Das sei auch an den Feiertagen der Fall. Diesen Organisationen fehle nun das Geld.

          Der Wegfall der Kollekte sei aber nicht nur aus materiellen Gründen bedauerlich, so Rahn. Es handele sich um eine uralte christliche Tradition. So haben schon die Urchristen Spenden füreinander eingesammelt. „Wir beten nicht nur füreinander, sondern wollen auch etwas Handfestes geben“, sagt er. So dokumentiert zum Beispiel schon der Apostel Paulus die Kollekte an die Gemeinden. Bis heute ist die Kollekte ein fester Bestandteil der Liturgie. Vor allem an Ostern kämen höhere Summen zusammen. Das katholische Hilfswerk Misereor meldet, dass durch die Osterkollekte im vergangenen Jahr rund 10 Millionen Euro zusammenkamen.

          Misereor ist das katholische Pendant zum evangelischen Hilfswerk „Brot für die Welt“. Beide unterstützen die Armutsbekämpfung. Auch Rahn sagt, dass die Kollekte an den Osterfeiertagen höher ist als an gewöhnlichen Sonntagen. „Ich glaube, viele fühlen sich an den hohen Feiertagen auch verpflichtet, etwas mehr zu geben als sonst“, sagt er. Auch gehen mehr Menschen an Feiertagen in die Kirche. Karfreitag gilt für evangelische Christen als höchster kirchlicher Feiertag, für die Katholiken ist das Osterfest besonders wichtig.

          Weg aus der Steinzeit

          Trotz fehlendem Gottesdienst wollen auch die Landeskirchen die Kollekte nicht ganz aufgeben – und nutzen dafür die digitalen Möglichkeiten. Immer häufiger richten die Kirchen Internetseiten für eine Online-Kollekte ein. Am Donnerstag startete die Spendenseite der Landeskirche Hessen/Nassau. Dort kann nicht nur die Höhe der Spende angegeben werden, sondern auch der Zweck: Während der digitale Klingelbeutel am Ostersonntag die Kinder- und Jugendarbeit unterstützt, soll die Kollekte am Karfreitag der „christlich-jüdischen Verständigung“ zugutekommen. Auch andere evangelische Kirchengemeinde bieten diese Möglichkeit schon an.

          Die Pax-Bank, die der katholischen Kirche nahe steht, hat eine Internetseite für die Online-Kollekte eingerichtet. Dort können sich die jeweiligen Kirchengemeinden anmelden. Rahn freut sich: „Die Kirche macht digital gerade einen großen Sprung. Was das angeht, sind wir ja manchmal noch im Steinzeitalter.“

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