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Kohleabbau in Australien : Der Widerstand wächst

  • -Aktualisiert am

Erzfeinde: Die Australier wollen die Förderkonzerne aus ihren Feldern und Weinbergen heraushalten. Bild: REUTERS

Australiens Rohstoffkonzerne wagen sich auf Bauernland. Menschen fürchten dort um ihr Grundwasser und haben Angst, dass der Kohleabbau Touristen vergraulen könnte.

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          Auf dem Bauernmarkt von Margaret River gibt es Biokäse, Ökogemüse, selbstgebackenes Brot, Livemusik – und Widerstand. Widerstand, ausgerechnet gegen die australischen Bergbaukonzerne, die derzeit erfolgreicher sind als je zuvor. Die Nachfrage Chinas nach Erz und Koks bringt ihnen Milliarden in die Kassen. Ihre Ambitionen aber stoßen immer öfter auf diejenigen der Landbevölkerung „down-under“.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          „Wir müssen unser Schicksal selbst bestimmen, wollen nicht Opfer werden von wirtschaftlichen Interessen“, sagt Greg Farney, einer der Aktivisten in Margaret River. Sein Standnachbar, ein Olivenbauer, wendet sich gegen den so erfolgreichen Bergbau: „Die machen genug Geld im entlegenen Nordwesten, wir hier sind Bauernland. Wir brauchen keine Bergwerke.“ Der Widerstand wächst. Angesichts von Erzpreisen auf Rekordniveau, einer nicht enden wollenden Nachfrage aus China und der Aufteilung der herkömmlichen Fördergebiete unter den Konzernen sind gerade jüngere Bergwerkskonzerne darauf aus, Lagerstätten in neuen Regionen zu heben. Nie schien es so leicht, mit dem Ausgraben von Rohstoffen Milliarden zu machen. Der junge Eisenerzkonzern Fortescue aus der westaustralischen Bergbaumetropole Perth will das Volumen seiner Produktion von derzeit 40 Millionen Tonnen Erz schon in vier Jahren auf 255 Millionen Tonnen hochfahren. Sein Reingewinn legte in Jahresfrist um 76 Prozent zu. Sein großer Konkurrent BHP Billiton verbuchte mit knapp 24 Milliarden Dollar gerade den höchsten Gewinn, den je ein australischer Konzern verzeichnet hat. Allein der Gewinn der Erzsparte stieg im Jahresvergleich um 122 Prozent.

          In Margaret River, dem malerischen Weingebiet drei Autostunden südlich von Perth, will nun LD Operations nach Kohle schürfen. Hierher aber kommen gleichermaßen Surfer und Weinkenner, und im australischen Sommer um die Weihnachtszeit wird der Strandstreifen zum Spielplatz der Millionäre – oft sind es gerade jene aus Perth, die im Bergbau ihr Geld gemacht haben. Zwei Millionen Besucher verbringen jährlich gut 7,5 Millionen Nächte in den Hotels, Motels und Bed-and-Breakfast-Häusern der Touristenregion. Inzwischen sah sich Colin Barnett, der Ministerpräsident des Bundeslandes Westaustralien, gezwungen zu erklären, Margaret River sei für die Bergbaukonzerne unantastbar. LD-Geschäftsführer Peter Ross sprach daraufhin von Meinungsmache. Die Winzer und Hoteliers aber haben sich organisiert: „NO COALition“ und „SOS Margret River“ heißen die Bürgerbewegungen. Sie fürchten um ihr Grundwasser und darum, dass der Kohleabbau Touristen vergraulen und damit mehr Arbeitsplätze zerstören werde, als neue zu schaffen.

          Bergbau erscheint den Australiern zunehmend suspekt

          Ähnliches trägt sich auf der anderen Seite des fünften Kontinents zu: Im dortigen Weingebiet Hunter Valley nördlich von Sydney suchen mehr und mehr Unternehmen nach Schiefergas. Winzer Andrew Margan fürchtet, die Weingüter kämen dabei unter die Räder. Und auch hier musste die Landesregierung schon den Schutz der Region versprechen. Im Bundesland Queensland ziehen die Bauern unterdessen gegen den Schweizer Rohstoffriesen Xstrata vor Gericht, der Kohlegruben im Wert von rund 6 Milliarden Dollar ausheben will.

          Wie durch ein Brennglas zeigen die Konflikte in Westaustralien, in New South Wales und Queensland, vor welcher Zerreißprobe die australische Gesellschaft steht: Mehr und mehr Australier fürchten, ihr Land durchleide eine „zweigeteilte Wirtschaftsentwicklung“: Hier die Bergbauindustrie, die Lastwagenfahrern in entlegenen Minen 100.000 und mehr australische Dollar (73.000 Euro) Jahresgehalt zahlt. Und dort die normalen Australier, denen die Preise davonlaufen.

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