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Freie Künstler : Wie brotlos ist die Kunst?

  • -Aktualisiert am

Bernhard Siller produziert in Friedberg Buchstützen mit Motiven von Schriftstellern. Bild: Wolfgang Eilmes

Können normale Künstler von dem Verkauf ihrer Werke leben? Begegnungen mit den F.A.Z.-Karikaturisten Greser und Lenz, einem Hersteller von Buchstützen und einem Studienrat.

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          Das Portal zur Studienwahl studieren.de schreibt zum Beruf des (freien) Künstlers: „Die Vorstellung ist romantisch, die Realität oft brotlos.“ Angehende Künstler sollten eine überdurchschnittliche Risikobereitschaft und ein glückliches Händchen für die Selbstvermarktung haben. Lesern der F.A.Z. wohlbekannt sind die Karikaturisten Achim Greser und Heribert Lenz. „In unseren kleinbürgerlichen Herkunftsmilieus war es nicht vorgesehen, Künstler werden zu wollen“, erzählt Greser. Selbst der Berufswunsch des Graphikers sei für ihre Mitmenschen eher außergewöhnlich gewesen.

          „Wie viel Kunstanteil in meiner Arbeit steckt, muss jeder selbst entscheiden, denn Kunst entsteht durch Rezipieren“, sagt der Künstler Bernhard Siller. Er ist Leiter und einziger Arbeiter von Karikatur Edition. Siller entwirft und produziert „Karikatur-Buchstützen“ und andere Produkte wie Lesezeichen, auf denen ein Schriftsteller karikaturistisch dargestellt ist.

          Die Idee kam ihm auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für seinen sechsjährigen Neffen, dessen Berufswunsch „Professor für Dinosaurier“ war. Passend dazu zeichnete Siller einen Dinosaurier auf eine Hochplatte, die er auf eine Metallplatte schraubte. „Und dann habe ich gedacht, da kann man eine Buchstütze draus machen.“

          Nach Lust und Laune

          Zunächst entwarf er nur Buchstützen mit Kinderbuchmotiven, und jede war ein Unikat mit einer original Bundstiftzeichnung auf der Holzplatte. Dementsprechend teuer waren sie. „Eine Buchstütze kostete damals 100 DM; das war zu teuer, besonders für Kinder“, sagt Siller. Doch seine Produkte kamen gut an. Siller entwickelte die Technik, die Motive als Laserdruck zu kopieren, um danach die Drucke auf das Holz zu leimen, zu lackieren und auszusägen.

          Siller limitiert jedes Motiv auf 300 Stück. Warum? „Es wäre mir zu langweilig, seit 21 Jahren immer die gleiche Buchstütze zu machen“, antwortet er. Siller sucht seine Motive nach „Lust und Laune“ aus, da er sein eigener Chef ist. Genau das mag Siller an seiner Arbeit. „Doch es reicht mir leider nicht zum Leben“, erklärt er. Eine Buchstütze kostet 35 Euro, eine Auftragskarikatur 250 Euro plus 7 Prozent Mehrwertsteuer. „Ich müsste dreimal so viel verkaufen, oder sie müssten dreimal so teuer sein.“ Nur würde wahrscheinlich mit einer Preiserhöhung die Nachfrage sinken.

          Siller verkauft seine Produkte über einen Online-Shop, in seiner Werkstatt in Friedberg, auf Kunsthandwerker-Märkten und auf der Frankfurter Buchmesse. Zusätzlich bieten einige Buchhandlungen seine Waren an. Die Buchmesse ist sehr wichtig für ihn, obwohl die Standkosten hoch sind. Denn dort trifft er viele „Buchliebhaber und Literaturliebhaber“, denen seine „originellen Originale“ gefallen. Karikatur Edition erzielt laut Siller einen Jahresumsatz von 30 000 Euro.

          Er ist sich keiner Arbeit zu schade

          Der Künstler folgt dem Motiv „die eine Arbeit tun, um sich von der anderen zu erholen“. Um sich den Rest zu verdienen, ist er „sich keiner Arbeit zu schade“. Beispiele sind Lehraufträge an Hochschulen, aber auch Holz hacken. Außerdem teilt seine Partnerin mit ihm die Lebenshaltungskosten, und er hat die Möglichkeit, Rücklagen zu „verbraten“.

          Den Karikaturisten Greser und Lenz geht es nach eigenen Angaben wirtschaftlich gut, außer an Ruhetagen, „weil der Herrgott und die verdammte Gewerkschaft der Gastronomen es so wollten“. Existenzängste haben die „zwei in die Jahre gekommenen Buben aus Unterfranken, die ihren in einer krummen Jugend erworbenen Dachschaden zum Beruf beziehungsweise Geschäftsmodell gemacht haben“, wie sie sich vorstellen, offenbar nicht.

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