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Neues Großprojekt in Sicht? : Kölner Architekt will Bahnhof unter die Erde legen

Die Brücke als Erholungsort – mit Blick auf den Dom Bild: Paul Böhm

In Köln will ein bekannter Architekt den Hauptbahnhof unter die Erde verlegen und aus der Hohenzollernbrücke einen Park machen. Die Politik ist durchaus angetan. So sehen die Pläne aus.

          Groß angelegte Infrastruktur-Projekte sind so eine Sache in Deutschland. Am BER etwa tummeln sich statt urlaubsreifen Touristen weiterhin Bautrupps – und auch das beeindruckende und schon jetzt ziemlich teure Loch am Stuttgarter Bahnhof dient vielen als mahnendes Beispiel. An diesen unterirdischen Bahnhof dürfte mancher zunächst auch denken, wenn er die Pläne des Architekten Paul Böhm für das Kölner Pendant zu Gesicht bekommt.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seine Idee: Die Züge sollen künftig durch einen Tunnel unter dem Rhein fahren, der jetzige Hauptbahnhof zum Regional- und Nahverkehrsknotenpunkt degradiert und der Fernverkehr auf der anderen Rheinseite in Deutz abgewickelt werden – eventuell an einem neuen Bahnhof. Die aktuelle Bahnhofshalle vor dem Kölner Dom will Böhm allerdings erhalten, wie er dem Kölner Stadtanzeiger sagte. Sie soll einmal als öffentliche Veranstaltungsfläche dienen. Besonders interessant, sind seine Pläne für die Hohenzollernbrücke, auf der aktuell im Minutentakt Züge verkehren und unzählige Liebesschlösser am Geländer hängen.

          „Umbau würde auch den Verkehrsfluss verbessern“

          Diese dürften wohl auch in Zukunft ihren Platz haben. Anstatt Schienen und Gleisbett stellt sich Böhm auf der Brücke aber Grünflächen mit Parkbänken und einer Rad-Strecke vor. Von dort lässt sich ein schöner Blick auf den Dom genießen. Bahnhof und Brücke würden so zu „Ausflugszielen, Ausstellung- und Erholungsorten“, sagt der Architekt. Vorbild für Böhms Pläne ist die „High Line“ in New York, eine umgebaute ehemalige Hochbahntrasse in New York, auf der eine Parkanlage entstanden ist.

          Platz für neue Wohnungen am Rande des Grüns sieht das Konzept ebenfalls vor. Bilderstrecke

          Das alles klingt – gelinde gesagt – ambitioniert, doch der Architekt hat seine Idee schon der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker und städtischen Verkehrspolitikern vorgestellt, die durchaus angetan waren, wie Böhm gegenüber FAZ.NET sagt. Zudem hat Reker das Thema auch mit Vertretern des Landes Nordrhein-Westfalen und der Deutschen Bahn besprochen. Für die dürfte vor allem interessant sein, ob und wie die Vorstellungen technisch umsetzbar sind. Und natürlich, wie teuer das Ganze wohl werden würde. Den Ärger rund um das Großprojekt Stuttgart 21 hat man sicher noch nicht vergessen, zumal schon wieder über eine Kostensteigerung spekuliert wird.

          Derlei Themen sind derzeit aber noch weit entfernt. Am Freitag haben Paul Böhm und sein Mitstreiter Günter Harloff ihre Ideen zunächst einmal bei einer Veranstaltung der IHK Köln der Öffentlichkeit präsentiert. Die Pläne seien auf breite Zustimmung gestoßen, so Böhm. Die IHK will nun bis Ende 2020 prüfen, wie nah die Idee an der Realisierbarkeit ist. Der Architekt sieht derweil nicht nur Chancen für die städtebauliche Entwicklung Kölns für Wohnraum und den öffentlichen Raum. Er mahnt auch, dass es aktuell immer wieder Engpässe und Verspätungen am Kölner Hauptbahnhof gebe. „Ein Umbau würde auch den Verkehrsfluss verbessern“, meint Böhm. Das würde wohl nicht nur Pendler freuen.

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