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Automesse : Köln wirbt um die IAA

Der Schriftzug leuchtet an den Hallen der Messe Bild: dpa

Für die neue IAA können sich nur Städte bewerben, die Teile ihrer Innenstadt für Modellkonzepte bereitstellen. Köln positioniert sich als Frankfurt-Nachfolger.

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          „Mobilität in Ballungsräumen ist ein globales Thema. Die Neuausrichtung der Internationalen Automobilausstellung IAA gibt uns die Chance, ein Forum zu schaffen, auf dem neue Konzepte vorgestellt werden.“ Herbert Marner, Geschäftsführer der Koelnmesse GmbH, lässt keinen Zweifel daran, dass Köln und seine Messegesellschaft alles tun, um die neue IAA an den Rhein zu holen. Bekanntlich hat der Verband der Deutschen Automobilindustrie VDA kürzlich das Messekonzept neu ausgeschrieben, nachdem die letzte traditionelle IAA in Frankfurt nur noch gut 500.000 Besucher angelockt hatte. Der Verband will künftig weniger eine Glamourshow für PS-starke Autos sein als vielmehr eine Veranstaltung, auf der zukunftsträchtige Mobilitätskonzepte für Ballungsräume präsentiert werden, vor allem die Elektromobilität, aber auch die Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger Auto, Bahnen und Fahrrad. Die IAA soll künftig nur noch zu einem Teil in Messehallen präsentiert werden und zu einem größeren Teil am „lebenden“ Objekt einer existierenden Innenstadt. Daher können sich für die neue IAA nur Städte bewerben, die Teile ihrer Innenstadt für Modellkonzepte bereitstellen.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Die Koelnmesse sieht die Domstadt in einer guten Position, weil sie schon vor dem offiziellen Aus der alten IAA aufgefordert war, eine Alternativmesse zu formulieren. „Wir sehen Teile unseres Angebotes in der Ausschreibung wieder“, freut sich Marner. Die alte Messe habe auch an ihrem Gigantismus gelitten, dass einige Hersteller größte Stände bis zu ganzen Hallen für ihre Präsentation genutzt hätten. Die Stadt Köln arbeite schon seit Jahren an neuen Mobilitätskonzepten und habe viel vorzuweisen. Die Messe habe mit der Computerspielmesse Gamescom oder der Motorradmesse Intermot nicht nur bewiesen, dass sie zugekauften Veranstaltungen zu neuem Glanz verhelfen kann, sondern mit der Computerspielemesse und der Kongressmesse für digitales Marketing Dmexco auch zwei Veranstaltungen, bei denen man gezeigt habe, wie man künftig reale Messen in die digitale Netzwelt verlängere. Die Gamescom habe neben 370.000 physischen Besuchern auf dem Gelände Millionen von zusätzlichen Besuchern über das Internet gehabt, die sich über mehr als 100 Millionen Streamings an der Messe beteiligt haben. Damit habe man die Reichweite der stationären Messe über digitale Angebote vervielfacht.

          Die Messegesellschaft prüfe, ob man auch anderen, weniger digitalaffinen Messen auf diese Weise mehr Besucher zuführen kann. Die Gefahr, dass neue Techniken Messen ersetzen, sieht Marner dennoch nicht. Denn ohne attraktive Basisveranstaltung könne auch kein Interesse in digitalen Medien erzeugt werden. Eine solche interessante Basisveranstaltung könnte die neue IAA werden. Marner kann sich sogar vorstellen, dass eine neue IAA in Köln „vom Start weg erfolgreich sein wird“, man also schon im ersten Jahr keinen Verlust machen wird. Das ist bei Neuveranstaltungen eher selten. In der Regel gehen Messeveranstalter von zwei bis drei Verlustjahren aus, bevor eine Messe Gewinne abwirft. „Aus Imagegründen werden wir uns keine Verlustmesse nach Köln holen“, unterstreicht Marner noch einmal den Anspruch an eine Mobilitätsmesse in Köln.

          Sie soll sich in den guten Lauf der Messegesellschaft einfügen. Die Koelnmesse wird in diesem Jahr erstmals mehr als 400 (2018: 330, 2017: 350) Millionen Euro umsetzen. Die Messegesellschaft habe damit in den vergangenen 7 Jahren im Durchschnitt 6 bis 8 Prozent Wachstum realisiert. Im kommenden Jahr werde man wieder leicht auf 370 Millionen Euro zurückfallen, dann aber konstant über der Marke von 400 Millionen Euro sein und vielleicht sogar die 500-Millionen-Marke kratzen oder leicht überspringen, vor allem wegen eines Zusatzumsatzes von etwa 40 Millionen Euro durch die Betreuung der deutschen Präsenz auf der Internationalen Weltausstellung Expo in Dubai. Im Durchschnitt der kommenden fünf Jahre geht Marner von 440 Millionen Euro Umsatz im Jahr aus. Auch Köln spürt strukturelle Veränderungen. Der Struktur in der Fotobranche ist der Ausfall der Photokina 2019 geschuldet. Die Messe werde aber im kommenden Jahr wieder ausgerichtet. Die konjunkturelle Schwäche sei bisher kaum zu merken.

          Marner: Die Zeit des Gigantismus ist vorbei

          Wie andere Messegesellschaften spürt auch Köln große Nachfrage nach den Messen. „Der eine oder andere Aussteller denkt lediglich über einen kleineren Stand nach“, sagt Marner und bestätigt damit Aussagen anderer Messemanager. Das habe aber nicht nur mit der Konjunktur zu tun. Die Zeit des Gigantismus, in der alle Stände immer größer wurden, sei generell nicht mehr zeitgemäß. Der Trend bei Messen gehe hin zu mehr Veranstaltungen mit Eventcharakter, von Vortragsreihen bis zu Unterhaltungselementen. Dazu gehört auch der Wunsch des Automobilverbandes, die neue Automesse aus den Hallen raus in die Städte zu tragen, um vor Ort neue Mobilitätskonzepte zu zeigen. Ein weiterer Trend ist der zu mehr Digitalisierung und jener zu mehr Flexibilisierung. Darunter versteht Marner, dass neben den traditionellen Großmessen mehrere kleine Messen, zum Teil auch parallel, durchgeführt werden.

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