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Kliometrie : Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Fogel gestorben

Robert W. Fogel Bild: Zimmermann, Julia

Sein Spezialgebiet war die Wirtschaftsgeschichte, sein Ansatz aber war neu: Indem er historische Daten mit mathematischen Methoden ausgewertet hat, revolutionierte Robert Fogel die Wirtschaftsgeschichtsforschung.

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          Die „Kliometrie“ geht auf ihn zurück, eine Verbindung von Klio (griechische Muse der Geschichte) mit Metrik (Messen und Rechnen). Robert Fogel, 1926 in New York als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer geboren, liebte es, historische Datensammlungen mit quantitativ-statistischen Methoden zu traktieren.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Aufsehen erregte die These seines Buchs „Railroads and American Economic Growth“ (1964), wonach der Bau der Eisenbahn für das amerikanische Wirtschaftswachstum gar keine so überragende Bedeutung gehabt habe wie zuvor angenommen.

          Extrem kontrovers war sein zweibändiges Werk „Time on the Cross“ (1974) über die Sklaverei in Amerika. Darin analysierte Fogel mit Stanley Engerman die Sklaverei als ökonomisches System und werteten dafür Daten über Baumwollernten und ärztliche Berichte aus. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Sklaverei nicht - wie oft behauptet - wirtschaftlich völlig ineffizient gewesen sei und die Schwarzen überall zu Tode geschuftet wurden. Die Abschaffung der Sklaverei sei ein politischer Entschluss, kein ökonomisch unvermeidliches Ende gewesen.

          Das Buch löste heftige Reaktionen aus. Fogel, der seine Ehefrau - eine Afro-Amerikanerin - als junger kommunistischer Aktivist kennengelernt hatte, lehrte in Rochester, Harvard und Chicago. 1993 erhielt er gemeinsam mit Douglass North den Nobelpreis.

          Seit den achtziger Jahren forschte er vor allem über demografische Fragen. 2011 erschien sein letztes Buch „The Changing Body“ über die radikale Veränderung der Ernährung, Gesundheit und Körpermaße der Menschen seit 1700. Nun ist er, wie die Universität Chicago mitteilte, im Alter von 86 Jahren gestorben.

          ppl.

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