https://www.faz.net/-gqe-aiimi

Klimaziele und Digitalisierung : Arbeitsmarkt im Umbruch

  • -Aktualisiert am

Mehr Elektromobilität, weniger Verbrennermotoren: Produktion des VW ID.3 in Zwickau Bild: EPA

Mehr Weiterbildung: So lautet das Ziel der künftigen Ampel-Regierung. Doch statt neue Instrumente zu schaffen, sollte sie die bisherige Förderung flexibler und unbürokratischer gestalten.

          1 Min.

          Am Arbeitsmarkt schlägt sich die besorgniserregende Entwicklung der Infektionszahlen noch nicht nieder. Im Gegenteil: Die Zahl der Arbeitslosen ist im November sogar stärker gesunken, als es für diese Jahreszeit üblich ist. Der Stichtag war allerdings Mitte November, und seitdem dürfte es kaum so weitergegangen sein. Restaurants und Hotels schicken schon wieder mehr Mitarbeiter in Kurzarbeit, der Chef der Bundesagentur für Arbeit warnt vor einem „harten Winter“. Noch einen.

          Ein schwacher Trost mag sein, dass die Pandemie irgendwann vorbei sein wird. Auf die Betriebe und die Beschäftigten warten jedoch schon die nächsten großen Herausforderungen. Digitalisierung, Dekarbonisierung und der demographische Wandel sorgen für einen gewaltigen Umbruch am Arbeitsmarkt. Und die große Frage ist, wo die dringend benötigten Fachkräfte für wichtige Zukunftsaufgaben, Wirtschaftswachstum und Wohlstand herkommen sollen.

          Unbürokratischer und flexibler

          Ein zentraler Teil der Antwort lautet: mehr Weiterbildung. Eine Aufgabe, die traditionell und aus guten Gründen in der Hand der Betriebe und ihrer Mitarbeiter liegt. Die künftige Ampelregierung will nun unter anderem mit einem neuen „Qualifizierungsgeld“ nachhelfen, das ähnlich wie das Kurzarbeitergeld ausgestaltet sein und mehr finanzielle Weiterbildungsförderung für Unternehmen im Strukturwandel ermöglichen soll. Fachkräfte halten, Arbeitslosigkeit verhindern, das ist die Idee dahinter.

          Die Weiterbildungsförderung wurde allerdings schon von der großen Koalition stark ausgebaut. Statt neue Instrumente zu schaffen, sollten SPD, Grüne und FDP erst einmal prüfen, ob das überhaupt nötig ist. Es spricht einiges dafür, dass schon viel gewonnen wäre, wenn die bestehenden Fördermöglichkeiten unbürokratischer und flexibler gestaltet würden.

          Eine pauschale Förderung einer ganzen Belegschaft oder großer Teile davon ist zudem wenig passgenau und könnte den Strukturwandel im schlimmsten Fall sogar bremsen: wenn Fachkräfte in Betrieben gehalten werden, die in der Transformation stecken, obwohl sie anderswo gute Chancen hätten oder sogar gebraucht würden. Individuelle Lösungen sind sinnvoller und erfolgversprechender.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Druck, Zwang, Hintertür : Die Welt kämpft mit der Impfpflicht

          Überall wird diskutiert, wie man so viele Menschen wie möglich gegen Corona impfen kann. Doch nur wenige Länder haben sich bisher für eine echte allgemeine Impfpflicht entschieden. Was lässt sich von den Beispielen rund um den Globus lernen?
          Max Otte am Dienstag zwischen Alice Weidel und Tino Chrupalla

          Von der AfD nominiert : Otte sieht Kandidatur nicht als Provokation

          Der CDU-Politiker Max Otte will mit seiner von der AfD unterstützten Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten „Gräben zuschütten“, sagt er. Der AfD-Vorsitzende Chrupalla lobt den Vorsitzenden der konservativen Werte-Union.
          Elegantes Gebäude: Der Betreiber gibt Villa Kennedy auf.

          Frankfurter Luxushotel : Villa Kennedy schließt Ende März

          Die Hotelbetreibergruppe Rocco Forte gibt ihren Frankfurter Standort Villa Kennedy auf. Das Haus gilt als eines der besten Luxushotels Deutschlands. Rocco Forte will den Mitarbeitern Jobs in den anderen Hotels der Gruppe anbieten.